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krankheiten:pododermatitis

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krankheiten:pododermatitis [2025/03/17 20:20] – [Heimtiere] andreaskrankheiten:pododermatitis [2026/03/23 19:57] (aktuell) – [Ätiologie] andreas
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 ====== Pododermatitis ====== ====== Pododermatitis ======
 ===== Allgemeines ===== ===== Allgemeines =====
-<imgcaption label1|Linker Hinterfuß des Kaninchens>{{ krankheiten:pododermatitis:podermatitis_digitigrade_plantigrade.png?300}}</imgcaption>Im "Lexikon der Veterinärmedizin"((Wiesner, E. und Ribbeck, R. 2000. Lexikon der Veterinärmedizin. Stuttgart : Enke im Hippokrates Verlag GmbH, 2000. ISBN 3-7773-1459-5)) wird die "Pododermatitis" u. a. als Entzündung der plantaren Pfotenhaut geführt, die häufig bei Kaninchen auftritt, die auf Metallrosten gehalten werden(planta = Fußsohle (Hinterpfote); palmaris = zur Handfläche gehörend (Vorderpfote). Dabei handelt es sich vor allem um eine Entzündung der Haut am Fersenbein der Hinterpfote.+<imgcaption label1|Linker Hinterfuß des Kaninchens>{{ krankheiten:pododermatitis:podermatitis_digitigrade_plantigrade.png?300}}</imgcaption>Im "Lexikon der Veterinärmedizin"((Wiesner, E. und Ribbeck, R. 2000. Lexikon der Veterinärmedizin. Stuttgart : Enke im Hippokrates Verlag GmbH, 2000. ISBN 3-7773-1459-5)) wird die "Pododermatitis" u. a. als Entzündung der plantaren Pfotenhaut geführt, die häufig bei Kaninchen auftritt, die auf Metallrosten gehalten werden (planta = Fußsohle (Hinterpfote); palmaris = zur Handfläche gehörend (Vorderpfote)). Dabei handelt es sich vor allem um eine Entzündung der Haut am Fersenbein der Hinterpfote.
  
 Andere Bezeichnungen für die Krankheitsbilder der Pododermatitis sind "Sohlenschwielen", "Sohlengeschwüre", "Sohlenballengeschwür" sowie "Wunde Läufe". Auf Englisch wird die Pododermatitis als "sore hocks" oder "Bumblefoot" bezeichnet.  Andere Bezeichnungen für die Krankheitsbilder der Pododermatitis sind "Sohlenschwielen", "Sohlengeschwüre", "Sohlenballengeschwür" sowie "Wunde Läufe". Auf Englisch wird die Pododermatitis als "sore hocks" oder "Bumblefoot" bezeichnet. 
  
-Nach Harcourt-Brown, 2002((Harcourt-Brown, F. 2002. Textbook of rabbit medicine. Oxford : Butterworth-Heinemann, 2002. ISBN 0-7506-4002-2)) ist die normale Haltung der Hinterbeine von Kaninchen "digitigrade". Bei einem gesunden Kaninchen wird das Gewicht zwischen den Krallen und der plantaren Seite des Mittelfußes verteilt. Kimura, 1996 stellte fest, das Kaninchen eine Fußmorphologie vom "plantigraden Typ" aufwiesen((Kimura, T. (1996). Correlation between the morphology of the feet and muscle fiber composition in the anterior tibial muscle. Anthropological Science, 104(1), 1-14)), aber ein "digitigrades" Gangbild während der Fortbewegung. Gushue et al., 2005((Gushue, D. L., Houck, J., & Lerner, A. L. (2005). Rabbit knee joint biomechanics: motion analysis and modeling of forces during hopping. Journal of orthopaedic research, 23(4), 735-742)) schlossen aus biomechanischen Daten auf Grundlage der Kinematik der Hintergliedmaßen und der Bodenkontaktkinetik von gesunden weißen Neuseelandkaninchen, dass Kaninchen ein digitigrades Gangmuster aufweisen, wie es in der Literatur beschrieben wurde. Mehrere biomechanische Werte und ihre Korrelation mit der Standdauer ähnelten denen, die bei anderen Säugetieren, wie Ratten, Katzen und Hunden beobachtet wurden. Ähnliche Feststellungen finden sich in späteren Veröffentlichungen von Blair, 2013((Blair, J. (2013). Bumblefoot: a comparison of clinical presentation and treatment of pododermatitis in rabbits, rodents, and birds. Veterinary Clinics: Exotic Animal Practice, 16(3), 715-735)), Volait-Rosset et al., 2019((Volait-Rosset, L., Pignon, C., Manou, M., & Donnelly, T. M. (2019). Surgical management of a calcaneus fracture in a pet rabbit. Journal of Exotic Pet Medicine, 29, 110-114)) und Hall et al., 2022((Hall, P. T., Stubbs, C., Anderson, D. E., Greenacre, C. B., & Crouch, D. L. (2022). Rabbit hindlimb kinematics and ground contact pressure during the stance phase of hopping gait. bioRxiv, 2022-02.))+Nach Harcourt-Brown, 2002((Harcourt-Brown, F. 2002. Textbook of rabbit medicine. Oxford : Butterworth-Heinemann, 2002. ISBN 0-7506-4002-2)) ist die normale Haltung der Hinterbeine von Kaninchen "digitigrade". Bei einem gesunden Kaninchen wird das Gewicht zwischen den Krallen und der plantaren Seite des Mittelfußes verteilt. Kimura, 1996((Kimura, T. (1996). Correlation between the morphology of the feet and muscle fiber composition in the anterior tibial muscle. Anthropological Science, 104(1), 1-14)) stellte fest, dass Kaninchen eine Fußmorphologie vom "plantigraden Typ" aufwiesen, aber ein "digitigrades" Gangbild während der Fortbewegung. Gushue et al., 2005((Gushue, D. L., Houck, J., & Lerner, A. L. (2005). Rabbit knee joint biomechanics: motion analysis and modeling of forces during hopping. Journal of orthopaedic research, 23(4), 735-742)) schlossen aus biomechanischen Daten auf Grundlage der Kinematik der Hintergliedmaßen und der Bodenkontaktkinetik von gesunden weißen Neuseelandkaninchen, dass Kaninchen ein digitigrades Gangmuster aufweisen, wie es in der Literatur beschrieben wurde. Mehrere biomechanische Werte und ihre Korrelation mit der Standdauer ähnelten denen, die bei anderen Säugetieren, wie Ratten, Katzen und Hunden beobachtet wurden. Ähnliche Feststellungen finden sich in späteren Veröffentlichungen von Blair, 2013((Blair, J. (2013). Bumblefoot: a comparison of clinical presentation and treatment of pododermatitis in rabbits, rodents, and birds. Veterinary Clinics: Exotic Animal Practice, 16(3), 715-735)), Volait-Rosset et al., 2019((Volait-Rosset, L., Pignon, C., Manou, M., & Donnelly, T. M. (2019). Surgical management of a calcaneus fracture in a pet rabbit. Journal of Exotic Pet Medicine, 29, 110-114)) und Hall et al., 2022((Hall, P. T., Stubbs, C., Anderson, D. E., Greenacre, C. B., & Crouch, D. L. (2022). Rabbit hindlimb kinematics and ground contact pressure during the stance phase of hopping gait. bioRxiv, 2022-02.)).
  
-Als "digitigrade" wird eine Fortbewegungsweise bezeichnet, bei der nur die Finger bzw. die Zehen den Boden berühren (Zehengänger), als "plantigrade" eine solche, bei der gesamte Hand bzw. der Fuß den Boden berührt (Sohlengänger).+Als "digitigrade" wird eine Fortbewegungsweise bezeichnet, bei der nur die Finger bzw. die Zehen den Boden berühren (Zehengänger), als "plantigrade" eine solche, bei der die gesamte Hand bzw. der Fuß den Boden berührt (Sohlengänger).
  
-Im sitzenden bzw. hockendem Ruhezustand lagert das gesamte Gewicht des Kaninchens auf den Zehen und dem Fersenbein (plantigrad).+Im sitzenden bzw. hockenden Ruhezustand lagert das gesamte Gewicht des Kaninchens auf den Zehen und dem Fersenbein (plantigrad).
 ===== Ätiologie ===== ===== Ätiologie =====
-Von Kötsche & Gottschalk, 1990((Kötsche, W. und Gottschalk, C. 1990. Krankheiten der Kaninchen und Hasen. 4. Aufl. Jena : Fischer, 1990. ISBN 3-334-00295-0)) wurden "Wunde Läufe" als "Parakeratose" bezeichnet, die häufiger als angenommen an den Hinterpfoten von Kaninchen zu beobachten sei (Parakeratose = Verhornungsstörung der Haut). Sie trete vor allem bei älteren Tieren schwerer Rassen vermehrt auf, wobei Haltung und Fütterung eine prädisponierende Rolle spielen. In der Haltung seien es vor allem die //"unphysiologischen Druckverhältnisse auf die Sohlenhaut sowie feuchte, stickige, unsaubere und ungenügend erneuerte Einstreu. Auch die längere Einwirkung chemischer Stoffe, wie z. B. Teer (Dachpappe), dürfte die Parakeratose begünstigen. Inwieweit auch einer zu eiweißreichen Fütterung eine ätiologische Bedeutung zukommt, ist noch unklar"//+Von Kötsche & Gottschalk, 1990((Kötsche, W. und Gottschalk, C. 1990. Krankheiten der Kaninchen und Hasen. 4. Aufl. Jena : Fischer, 1990. ISBN 3-334-00295-0)) wurden "Wunde Läufe" als "Parakeratose" bezeichnet, die häufiger als angenommen an den Hinterpfoten von Kaninchen zu beobachten sei (Parakeratose = Verhornungsstörung der Haut). Sie trete vor allem bei älteren Tieren schwerer Rassen vermehrt auf, wobei Haltung und Fütterung eine prädisponierende Rolle spielen. In der Haltung seien es vor allem die //"unphysiologischen Druckverhältnisse auf die Sohlenhaut sowie feuchte, stickige, unsaubere und ungenügend erneuerte Einstreu. Auch die längere Einwirkung chemischer Stoffe, wie z. B. Teer (Dachpappe), dürfte die Parakeratose begünstigen. Inwieweit auch einer zu eiweißreichen Fütterung eine ätiologische Bedeutung zukommt, ist noch unklar"//.
  
 Drescher, 1993((Drescher, B. 1993. Zusammenfassende Betrachtung über den Einfluß unterschiedlicher Haltungsverfahren auf die Fitness von Versuchs- und Fleischkaninchen - untersucht am Verhalten, dem Skelettsystem und den Nebennieren - mit einem Beitrag zur Pododermatitis ulcerosa des Kaninchens. 6. Mitteilung. Tierärztl. Umschau 48, 72-78)) definierte die "Pododermatitis ulcerosa" als //"eine traumatische Erkrankung der Plantarseiten der Hinterpfoten und auch der Palmarseiten der Vorderpfoten, die hauptsächlich in der Käfighaltung bei Kaninchen schwerer Rassen vorkommt."// Als Ursachen der wunden Läufe wurden aus einer Reihe von Untersuchungen an Mastkaninchen, die auf Käfigböden gehalten wurden, folgende Faktoren genannt, die einzeln oder gemeinsam zu den Veränderungen führen können: \\ Drescher, 1993((Drescher, B. 1993. Zusammenfassende Betrachtung über den Einfluß unterschiedlicher Haltungsverfahren auf die Fitness von Versuchs- und Fleischkaninchen - untersucht am Verhalten, dem Skelettsystem und den Nebennieren - mit einem Beitrag zur Pododermatitis ulcerosa des Kaninchens. 6. Mitteilung. Tierärztl. Umschau 48, 72-78)) definierte die "Pododermatitis ulcerosa" als //"eine traumatische Erkrankung der Plantarseiten der Hinterpfoten und auch der Palmarseiten der Vorderpfoten, die hauptsächlich in der Käfighaltung bei Kaninchen schwerer Rassen vorkommt."// Als Ursachen der wunden Läufe wurden aus einer Reihe von Untersuchungen an Mastkaninchen, die auf Käfigböden gehalten wurden, folgende Faktoren genannt, die einzeln oder gemeinsam zu den Veränderungen führen können: \\
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 Harcourt-Brown, 2002((Harcourt-Brown, F. 2002. Textbook of rabbit medicine. Oxford : Butterworth-Heinemann, 2002. ISBN 0-7506-4002-2)) beschrieb mögliche Ursachen und Stadien der Entstehung der Pododermatitis folgendermaßen: Harcourt-Brown, 2002((Harcourt-Brown, F. 2002. Textbook of rabbit medicine. Oxford : Butterworth-Heinemann, 2002. ISBN 0-7506-4002-2)) beschrieb mögliche Ursachen und Stadien der Entstehung der Pododermatitis folgendermaßen:
-   * Der Hautbereich an der Spitze des der Ferse von Kaninchen ist anfällig für Drucknekrosen. Bei ausgewachsenen Kaninchen findet sich häufig ein kleiner Bereich haarloser Haut, der jedoch in der Regel durch das darüber liegende Fell verdeckt wird. Harte Böden, Bewegungsmangel und lange Zeiten der Inaktivität erhöhen den Druck auf die Ferse. \\ +   * Der Hautbereich an der Spitze der Ferse von Kaninchen ist anfällig für Drucknekrosen. Bei ausgewachsenen Kaninchen findet sich häufig ein kleiner Bereich haarloser Haut, der jedoch in der Regel durch das darüber liegende Fell verdeckt wird. Harte Böden, Bewegungsmangel und lange Zeiten der Inaktivität erhöhen den Druck auf die Ferse. \\ 
    * Druckstellen entstehen in der dünnen Haut über dem knöchernen Vorsprung des mittleren Fußwurzelknochens, insbesondere bei Kaninchen mit spärlicher Behaarung wie dem Rex. Der haarlose Bereich mit geröteter Haut, die auf Druck nicht bleich wird, ist ein frühes Anzeichen für eine ulzerative Pododermatitis. Sobald der Bereich sein schützendes Fell verloren hat, ist die Haut verstärkt mechanischem Trauma und Druck ausgesetzt. Die Läsionen können sich zu dekubitalen Hautgeschwüren entwickeln. Gelegentlich werden die mediale Plantarvene oder Arterie, die direkt unter der Haut liegen, verletzt und verursachen Blutungen. \\     * Druckstellen entstehen in der dünnen Haut über dem knöchernen Vorsprung des mittleren Fußwurzelknochens, insbesondere bei Kaninchen mit spärlicher Behaarung wie dem Rex. Der haarlose Bereich mit geröteter Haut, die auf Druck nicht bleich wird, ist ein frühes Anzeichen für eine ulzerative Pododermatitis. Sobald der Bereich sein schützendes Fell verloren hat, ist die Haut verstärkt mechanischem Trauma und Druck ausgesetzt. Die Läsionen können sich zu dekubitalen Hautgeschwüren entwickeln. Gelegentlich werden die mediale Plantarvene oder Arterie, die direkt unter der Haut liegen, verletzt und verursachen Blutungen. \\ 
    * In den späteren Stadien der ulzerativen Pododermatitis erstreckt sich das Geschwür durch die Dermis und Epidermis. Die devitalisierte Haut über der Läsion geht verloren, und die Infektion breitet sich in die tieferen Gewebe, einschließlich Knochen und Synovialstrukturen, aus. Im Bereich der Ferse bildet sich ein Abszess, an dem z. B. //Staphylococcus aureus// oder //Pasteurella multocida// beteiligt sein können. \\     * In den späteren Stadien der ulzerativen Pododermatitis erstreckt sich das Geschwür durch die Dermis und Epidermis. Die devitalisierte Haut über der Läsion geht verloren, und die Infektion breitet sich in die tieferen Gewebe, einschließlich Knochen und Synovialstrukturen, aus. Im Bereich der Ferse bildet sich ein Abszess, an dem z. B. //Staphylococcus aureus// oder //Pasteurella multocida// beteiligt sein können. \\ 
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 Von Wolf et al., 2020((Wolf, P., Speers, R., & Cappai, M. G. 2020. Influence of different types of bedding material on the prevalence of pododermatitis in rabbits. Research in veterinary science, 129, 1-5)) wurde in einer Arbeit zusammenfassend festgestellt, dass Pododermatitis häufig bei übergewichtigen Tieren auftritt, bei denen das erhöhte Körpergewicht zu einem erhöhten Druck auf die Fußsohlen führt. Dieser Effekt macht sich besonders bemerkbar, wenn die Tiere zusätzlich auf feuchter Einstreu sitzen. Normalerweise ist die Fußsohle durch eine dichte Behaarung geschützt, aber dieser Mechanismus geht bei übergewichtigen Tieren verloren. Wenn die Haut in diesem Bereich ständig feucht ist, kann es leicht zu Läsionen kommen. Da die Einstreu in der Regel nicht steril ist, sind auch bakterielle Sekundärinfektionen häufig. Von Wolf et al., 2020((Wolf, P., Speers, R., & Cappai, M. G. 2020. Influence of different types of bedding material on the prevalence of pododermatitis in rabbits. Research in veterinary science, 129, 1-5)) wurde in einer Arbeit zusammenfassend festgestellt, dass Pododermatitis häufig bei übergewichtigen Tieren auftritt, bei denen das erhöhte Körpergewicht zu einem erhöhten Druck auf die Fußsohlen führt. Dieser Effekt macht sich besonders bemerkbar, wenn die Tiere zusätzlich auf feuchter Einstreu sitzen. Normalerweise ist die Fußsohle durch eine dichte Behaarung geschützt, aber dieser Mechanismus geht bei übergewichtigen Tieren verloren. Wenn die Haut in diesem Bereich ständig feucht ist, kann es leicht zu Läsionen kommen. Da die Einstreu in der Regel nicht steril ist, sind auch bakterielle Sekundärinfektionen häufig.
  
-Sekundärinfektionen sind z. B. denkbar bei Kaninchen mit Pododermatitis, die sich häufig an Ohren kratzen. So konnte z. B. Erreger //Staphylococcus aureus// in einer Arbeit von Reuschel, 2018 nur bei Kaninchen mit einer [[krankheiten:ohrerkrankungen|Ohrerkrankung]] nachgewiesen werden.+Sekundärinfektionen sind z. B. denkbar bei Kaninchen mit Pododermatitis, die sich häufig an Ohren kratzen. So konnte z. B. Erreger //Staphylococcus aureus// in einer Arbeit von Reuschel, 2018((Reuschel, M. 2018. Untersuchungen zur Bildgebung des Kaninchenohres mit besonderer Berücksichtigung der Diagnostik einer Otitis bei unterschiedlichen Kaninchenrassen. Tierärztliche Hochschule Hannover. Dissertation. ISBN 978-3-86345-460-9.)) nur bei Kaninchen mit einer [[krankheiten:ohrerkrankungen|Ohrerkrankung]] nachgewiesen werden.
  
 ===== Nutztiere ===== ===== Nutztiere =====
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 Dermatologische und orodentale Erkrankungen wurden in einer Arbeit von d'Ovidio & Santoro, 2013((d'Ovidio, D., & Santoro, D. (2013). Orodental diseases and dermatological disorders are highly associated in pet rabbits: a case–control study. Veterinary Dermatology, 24(5), 531-e125)) als Hauptursachen für die Morbidität von Heimkaninchen genannt, wobei orodentale Erkrankungen anekdotisch mit Hauterkrankungen bei Kaninchen in Verbindung gebracht werden. Dermatologische und orodentale Erkrankungen wurden in einer Arbeit von d'Ovidio & Santoro, 2013((d'Ovidio, D., & Santoro, D. (2013). Orodental diseases and dermatological disorders are highly associated in pet rabbits: a case–control study. Veterinary Dermatology, 24(5), 531-e125)) als Hauptursachen für die Morbidität von Heimkaninchen genannt, wobei orodentale Erkrankungen anekdotisch mit Hauterkrankungen bei Kaninchen in Verbindung gebracht werden.
 Das Ziel der Arbeit bestand darin, einen möglichen Zusammenhang zwischen dermatologischen und Zahnerkrankungen zu untersuchen. Dafür wurden retrospektiv 222 Krankenakten von Heimkaninchen überprüft, die im Laufe eines Jahres in 20 privaten Tierkliniken untersucht wurden.  Das Ziel der Arbeit bestand darin, einen möglichen Zusammenhang zwischen dermatologischen und Zahnerkrankungen zu untersuchen. Dafür wurden retrospektiv 222 Krankenakten von Heimkaninchen überprüft, die im Laufe eines Jahres in 20 privaten Tierkliniken untersucht wurden. 
-Die Prävalenz von dermatologischen Erkrankungen lag bei 28,4 % (63 von 222), die Prävalenz von Zahnerkrankungen bei 23 % (51 von 222). Es bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen Haut- und Zahnerkrankungen. Bei Kaninchen, bei denen Zahnerkrankungen diagnostiziert wurden, war die Wahrscheinlichkeit, eine Hauterkrankungen aufzuweisen, 63-mal höher (Odds Ratio 63,75; 95% Konfidenzintervall 23,9-170,2; P < 0,0001) als bei Kaninchen ohne Zahnerkrankungen. Die Ergebnisse dieser Studie wiesen also darauf hin, dass Kaninchen mit Zahnerkrankungen ein höheres Risiko aufwiesen, im späteren Leben eine Hauterkrankung zu entwickeln. Obwohl Fellbeschaffenheit und Haarqualität von vielen biologischen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst werden können, sollten Zahnerkrankungen als mögliche Grunderkrankung bei Kaninchen mit dermatologischen Problemen sorgfältig in Betracht gezogen werden.+Die Prävalenz von dermatologischen Erkrankungen lag bei 28,4 % (63 von 222), die Prävalenz von Zahnerkrankungen bei 23 % (51 von 222). Es bestand ein signifikanter Zusammenhang zwischen Haut- und Zahnerkrankungen. Bei Kaninchen, bei denen Zahnerkrankungen diagnostiziert wurden, war die Wahrscheinlichkeit, eine Hauterkrankungen aufzuweisen, 63-mal höher (Odds Ratio 63,75; 95% Konfidenzintervall 23,9-170,2; P < 0,0001) als bei Kaninchen ohne Zahnerkrankungen. Die Ergebnisse dieser Studie wiesen also darauf hin, dass Kaninchen mit Zahnerkrankungen ein höheres Risiko aufwiesen, im späteren Leben eine Hauterkrankung zu entwickeln. Obwohl [[anatomie:fell|Fell]]beschaffenheit und Haarqualität von vielen biologischen und umweltbedingten Faktoren beeinflusst werden können, sollten [[zahnfehler|Zahnerkrankungen]] als mögliche Grunderkrankung bei Kaninchen mit dermatologischen Problemen sorgfältig in Betracht gezogen werden.
  
 Snook et al., 2013((Snook, T. S., White, S. D., Hawkins, M. G., Tell, L. A., Wilson, L. S., Outerbridge, C. A., & Ihrke, P. J. 2013. Skin diseases in pet rabbits: a retrospective study of 334 cases seen at the University of California at Davis, USA (1984–2004). Veterinary dermatology, 24(6), 613-e148.)) werteten Patientendaten einer Tierklinik im nördlichen Kalifornien/USA in Bezug auf Hauterkrankungen über einen Zeitraum von 20 Jahren aus (1984-2004). Zusammenfassend wurde festgestellt, dass Hauterkrankungen bei Heimkaninchen in der untersuchten Kaninchenpopulation relativ häufig vorkamen. Bei den 334 untersuchten Heimkaninchen mit dermatologischen Erkrankungen wurden 52 verschiedene Krankheiten bzw. Erscheinungsformen festgestellt. Widderkaninchen waren in der Studienpopulation überrepräsentiert. Pododermatitis war die häufigste Hauterkrankung; Abszesse, Alopezie, Ohrenerkrankungen und Ektoparasiten waren ebenfalls häufig.  Snook et al., 2013((Snook, T. S., White, S. D., Hawkins, M. G., Tell, L. A., Wilson, L. S., Outerbridge, C. A., & Ihrke, P. J. 2013. Skin diseases in pet rabbits: a retrospective study of 334 cases seen at the University of California at Davis, USA (1984–2004). Veterinary dermatology, 24(6), 613-e148.)) werteten Patientendaten einer Tierklinik im nördlichen Kalifornien/USA in Bezug auf Hauterkrankungen über einen Zeitraum von 20 Jahren aus (1984-2004). Zusammenfassend wurde festgestellt, dass Hauterkrankungen bei Heimkaninchen in der untersuchten Kaninchenpopulation relativ häufig vorkamen. Bei den 334 untersuchten Heimkaninchen mit dermatologischen Erkrankungen wurden 52 verschiedene Krankheiten bzw. Erscheinungsformen festgestellt. Widderkaninchen waren in der Studienpopulation überrepräsentiert. Pododermatitis war die häufigste Hauterkrankung; Abszesse, Alopezie, Ohrenerkrankungen und Ektoparasiten waren ebenfalls häufig. 
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   * Pododermatitis tritt im Allgemeinen bei übergewichtigen, inaktiven Kaninchen auf feuchter Einstreu oder Gitterböden auf. Gelegentlich kann auch der Mittelfußbereich betroffen sein. **Es wird angenommen**, dass auch erbliche Faktoren beteiligt und Rex-Kaninchen besonders betroffen sind, da ihnen die schützenden Schutzhaare fehlen. (S 261). Ein Beleg dafür wurde nicht angegeben.   * Pododermatitis tritt im Allgemeinen bei übergewichtigen, inaktiven Kaninchen auf feuchter Einstreu oder Gitterböden auf. Gelegentlich kann auch der Mittelfußbereich betroffen sein. **Es wird angenommen**, dass auch erbliche Faktoren beteiligt und Rex-Kaninchen besonders betroffen sind, da ihnen die schützenden Schutzhaare fehlen. (S 261). Ein Beleg dafür wurde nicht angegeben.
  
-In einer retrospektiven Querschnittsstudie von O'Neill et al, 2024((O'Neill, D. G., Williams, A., Brodbelt, D. C., Church, D. B., Hedley, J. 2024. Conformation-associated health in pet rabbits in the UK: A VetCompass cohort study. Vet Rec. 2024;e4396. https://doi.org/10.1002/vetr.4396)) wurde die Prävalenz der häufigsten Erkrankungen von Heimkaninchen geschätzt. Die Studienpopulation umfasste alle Kaninchen, die im Jahr 2019 in 1.224 Kliniken, die am britischen VetCompass-Programm teilnahmen, tierärztlich betreut wurden. Dafür standen die Datensätze von 162.017 Heimkaninchen zur Verfügung, die untersuchte Stichprobe enthielt 3.933 Tiere. Bei 55 Tieren (1,4%) wurde eine Pododermatitis diagnostiziert. Von diesen 55 Tieren hatten 22 Tiere (40%) Stehohren und 18 Tiere (33%) hängende Ohren. Bei 8 Tieren (15%) handelte es sich um Kreuzungen und von 7 Tieren (13%) war die Rasse bzw. der Phänotyp unbekannt. Von den bekannten Rassen waren Holländerkaninchen (Stehohren) mit 10 Tieren (18%) am häufigsten betroffen, 4 Rexkaninchen bzw. eine Rex-Mischung waren mit 9% vertreten. +In einer retrospektiven Querschnittsstudie von O'Neill et al., 2024((O'Neill, D. G., Williams, A., Brodbelt, D. C., Church, D. B., Hedley, J. 2024. Conformation-associated health in pet rabbits in the UK: A VetCompass cohort study. Vet Rec. 2024;e4396. https://doi.org/10.1002/vetr.4396)) wurde die Prävalenz der häufigsten Erkrankungen von Heimkaninchen geschätzt. Die Studienpopulation umfasste alle Kaninchen, die im Jahr 2019 in 1.224 Kliniken, die am britischen VetCompass-Programm teilnahmen, tierärztlich betreut wurden. Dafür standen die Datensätze von 162.017 Heimkaninchen zur Verfügung, die untersuchte Stichprobe enthielt 3.933 Tiere. Bei 55 Tieren der Stichprobe (1,4%) wurde eine Pododermatitis diagnostiziert. Von diesen 55 Tieren hatten 22 Tiere (40%) Stehohren und 18 Tiere (33%) hängende Ohren. Bei 8 Tieren (15%) handelte es sich um Kreuzungen und von 7 Tieren (13%) war die Rasse bzw. der Phänotyp unbekannt. Von den bekannten Rassen waren Holländerkaninchen (Stehohren) mit 10 Tieren (18%) am häufigsten betroffen, 4 Rexkaninchen bzw. eine Rex-Mischung waren mit 9% vertreten. Das heißt, in der Stichprobe von 3.933 Heimkaninchen betrug die Prävalenz für Pododermatitis in dieser Studie bei Rexkaninchen 0,1im Vergleich zu 0,3% bei HolländerkaninchenTiere mit stehenden Ohren waren häufiger betroffen als Widderkaninchen
-===== Bewertung ===== +
-In sehr vielen Büchern und Artikeln werden Rex-Kaninchen als prädisponiert für Pododermatitis bezeichnet, ohne dafür Untersuchungsergebnisse aus Quellen anzugeben - als Beispiel siehe Meredith & Lord, 2014((Meredith, A. & Lord, B. 2014. BSAVA Manual of Rabbit Medicine. Gloucester : BSAVA. ISBN 978-1-905319-49-7)). Auf Grund der hohen Anzahl von wissenschaftlichen Arbeiten, in denen über die Anfälligkeit von Rex-Kaninchen ohne Beleg auf andere Quellen verwiesen wird, die ebenfalls keine Belege für die Aussage liefern können, entsteht der Eindruck, es würde eine große Übereinstimmung bzw. ein Konsens in Bezug auf eine besondere Anfälligkeit der Rex-Kaninchen für Pododermatitis geben. Dieses Phänomen wird auch als "Bias" bezeichnet, also eine verzerrte Wahrnehmung in Form der Überschätzung eines Problems. Verstärkt wird das Problem, wenn in Arbeiten auf gegenteilige Ergebnisse wie z. B. von Snook et al., 2013((Snook, T. S., White, S. D., Hawkins, M. G., Tell, L. A., Wilson, L. S., Outerbridge, C. A., & Ihrke, P. J. 2013. Skin diseases in pet rabbits: a retrospective study of 334 cases seen at the University of California at Davis, USA (1984–2004). Veterinary dermatology, 24(6), 613-e148.)) und Mancinelli et al., 2014((Mancinelli, E., Keeble, E., Richardson, J., & Hedley, J. (2014). Husbandry risk factors associated with hock pododermatitis in UK pet rabbits (Oryctolagus cuniculus). Veterinary Record, 174(17), 429-429)) in einer Diskussion nicht hingewiesen wird. +
- +
-Kritisch zu sehen sind private Webseiten, die zwar Quellenangaben zu einem Thema liefern, deren negative Ergebnisse aber nicht aufführen. Dazu gehören auch Einschränkungen der Aussagekraft auf Grund der Methodik der Arbeit. Aus diesem Grund können Erkrankungen wie Poderdermatitis und andere im Heimtierbereich unterschätzt werden. Die größten Einlfussfaktoren dafür sind beim Tierhalter zu finden. +
-===== Zusammenfassung =====   +
-In Haltungen der intensiven Kaninchenzucht liegt die Prävalenz für Pdodermatitis bei 5-15%, in der Heimtierhaltung kann diese, abhängig vom Studiendesign, bis zu 94% betragen. Als wesentliche, mögliche Ursachen gelten: \\  +
-  * Alter +
-  * Größe bzw. Gewicht +
-  * Geschlecht +
-  * Kastrationsstatus +
-  * Krallenlänge +
-  * Ernährung +
-  * Haltung (z. B. abrasive Beläge) +
-  * Haltereigenschaften/-einstellung. +
- +
-Die Prävalenz bei Rex-Kaninchen wurde in einer Studie bei Zuchtkaninchen für Männchen mit 2,5und Weibchen mit 3,2ermittelt, in Heimtierstudien konnte bisher keine Rasseabhängigkeit nachgewiesen werdenDie Theorie des schützenden Einflusses der Fellhaare gegen Pododermatitis ist bisher nicht belegt (Stand Okt. 2023) und beruht auf Annahmen+
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krankheiten/pododermatitis.1742239230.txt.gz · Zuletzt geändert: von andreas

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