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anatomie:zaehne

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anatomie:zaehne [2018/10/27 21:29]
andreas
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 ====== Zähne ====== ====== Zähne ======
 +<imgcaption label1|Aufbau der Schneidezähne des Kaninchens, aus Rühle (2017)>{{ anatomie:gebiss:kaninchen_scheidezaehne_rabbit_tooth.png]?250}}</imgcaption>
 Alle Zähne des Kaninchens sind wurzeloffen - das bedeutet, sie haben eine, zum Zahnfach hin, offene Zahnhöhle (Pulpahöhle). Der Zahnschmelz (Enamelum) umschließt das weichere Dentin (Zahnbein). Bei Kaninchen umschließt der Zahnschmelz grundsätzlich die gesamte Dentin-Substanz.\\  Alle Zähne des Kaninchens sind wurzeloffen - das bedeutet, sie haben eine, zum Zahnfach hin, offene Zahnhöhle (Pulpahöhle). Der Zahnschmelz (Enamelum) umschließt das weichere Dentin (Zahnbein). Bei Kaninchen umschließt der Zahnschmelz grundsätzlich die gesamte Dentin-Substanz.\\ 
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-[{{ anatomie:gebiss:Kaninchen_Scheidezaehne_Rabbit_Tooth.png|Aufbau der Schneidezähne des Kaninchens((Rühle, A. (2017): Das Kaninchen - Nahrung und Gesundheit. Norderstedt: BoD. ISBN 978-3743117990))}}] 
  
 Die Zahnschmelzschicht der Schneidezähne ist auf der äußeren Zahnseite dicker als auf der inneren  Mundhöhlenseite((Nachtsheim, H. (1936): Erbliche Zahnanomalien beim Kaninchen. Züchtungskunde 11. 273-287))((Taglinger, K.; König, H. E. 1999. Makroskopisch-anatomische Untersuchungen der Zähne des Kaninchens (Oryctolagus cuniculus). Tierärztl. Mschr. 1999, 86, S. 129-135)). Dadurch wird die innere Schicht stärker abgenutzt, wodurch eine scharfe, meißelartige Schneidkante entsteht. Diese ermöglicht ein Nagen und Zerteilen der Nahrung, während die oberen Schneidezähne dem Festhalten der Nahrung dienen. Auf diese Weise nutzen sich die unteren Schneidezähne stärker ab und wachsen auch schneller als die oberen, wobei der Prozess von Wachstum und Abnutzung von der Nahrung abhängig ist.\\  Die Zahnschmelzschicht der Schneidezähne ist auf der äußeren Zahnseite dicker als auf der inneren  Mundhöhlenseite((Nachtsheim, H. (1936): Erbliche Zahnanomalien beim Kaninchen. Züchtungskunde 11. 273-287))((Taglinger, K.; König, H. E. 1999. Makroskopisch-anatomische Untersuchungen der Zähne des Kaninchens (Oryctolagus cuniculus). Tierärztl. Mschr. 1999, 86, S. 129-135)). Dadurch wird die innere Schicht stärker abgenutzt, wodurch eine scharfe, meißelartige Schneidkante entsteht. Diese ermöglicht ein Nagen und Zerteilen der Nahrung, während die oberen Schneidezähne dem Festhalten der Nahrung dienen. Auf diese Weise nutzen sich die unteren Schneidezähne stärker ab und wachsen auch schneller als die oberen, wobei der Prozess von Wachstum und Abnutzung von der Nahrung abhängig ist.\\ 
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 Spätere Untersuchungen wie z. B. die von Bucher, 1994((Bucher, L. 1994. Fütterungsbedingte Einflüsse auf Wachstum und Abrieb von Schneidezähnen bei Zwergkaninchen. Berlin : Freie Universität, 1994. Dissertation)) oder Wolf & Kamphues, 1996((Wolf, P., Kamphues, J. (1996): Untersuchungen zu Fütterungseinflüssen auf die Entwicklung der Incisivi bei Kaninchen, Chinchilla und Ratte. Kleintierpraxis 41. 723-732)) lieferten deshalb nicht grundlegend neue Erkenntnisse, sondern bestätigten bereits vorhandene. Fraglich ist lediglich, ob sich tatsächlich die Zähne aneinander in dem Maße abreiben wie angenommen oder ob der Einfluss der [[wildkaninchen:Nahrung|Nahrung]], die Dauer des [[physiologie:kauprozess|Kauvorganges]] und die Kauintensität auf Grund der enthaltenen [[allgemeines:Silikate|Silikate]] den Abrieb mehr beeinflussen.  Spätere Untersuchungen wie z. B. die von Bucher, 1994((Bucher, L. 1994. Fütterungsbedingte Einflüsse auf Wachstum und Abrieb von Schneidezähnen bei Zwergkaninchen. Berlin : Freie Universität, 1994. Dissertation)) oder Wolf & Kamphues, 1996((Wolf, P., Kamphues, J. (1996): Untersuchungen zu Fütterungseinflüssen auf die Entwicklung der Incisivi bei Kaninchen, Chinchilla und Ratte. Kleintierpraxis 41. 723-732)) lieferten deshalb nicht grundlegend neue Erkenntnisse, sondern bestätigten bereits vorhandene. Fraglich ist lediglich, ob sich tatsächlich die Zähne aneinander in dem Maße abreiben wie angenommen oder ob der Einfluss der [[wildkaninchen:Nahrung|Nahrung]], die Dauer des [[physiologie:kauprozess|Kauvorganges]] und die Kauintensität auf Grund der enthaltenen [[allgemeines:Silikate|Silikate]] den Abrieb mehr beeinflussen. 
  
-[{{ anatomie:gebiss:kaninchen_zahnabrieb_rabbit_tooth_abrasion.png|Schematische Darstellung der Überlängen der oberen und unteren Schneidezähne für verschiedene (nicht arttypische) Futtermittel in mm/Woche, nach (Wolf, et al., 1995), Bild aus Rühle, 2017((Rühle, A. (2017)Das Kaninchen - Nahrung und Gesundheit. NorderstedtBoDISBN 978-3743117990))}}]Wolf & Kamphues, 1995((Wolf, P.; Kamphues, J. (1995): Probleme der art- und bedarfsgerechten Ernährung kleiner Nager als Heimtiere. Der praktische Tierarzt 12. 1088-1092)) maßen das Wachstum und die Abnutzung der Zähne durch den Verzehr verschiedener Futtermittel, unter anderem Möhren, Heu und Trockenfutter. Mit keinem dieser Futtermittel wurde eine Differenz zwischen Wachstum und Abrieb von 0,0 mm festgestellt. Das heißt, der Abrieb konnte das Längenwachstum nicht kompensieren. Aus dieser Untersuchung wurde ebenfalls deutlich, dass Heu für den Zahnabrieb eigentlich völlig ungeeignet wäre, denn die unteren Schneidezähne nutzten sich mit diesem Futtermittel am wenigsten ab. Für die oberen Schneidezähne war der Abrieb schlechter als bei der Verfütterung von Möhren. **Keines dieser Futtermittel entspricht aber der arttypischen, natürlichen Nahrung des Kaninchens.** Je mehr die Zähne in den roten Bereich ragen, umso größer ist der Unterschied zwischen Wachstum und Abnutzung, also die Gefahr der Entstehung von überlangen Schneidezähnen. Pellets und Möhren nutzen in diesem Fall die Zähne am besten ab, natives Kraftfutter und Heu am schlechtesten. Mit dieser Interpretation ist aber Vorsicht geboten, weil sie nur für diese spezielle Untersuchung gilt. +<imgcaption label2|Schematische Darstellung der Überlängen der oberen und unteren Schneidezähne für verschiedene (nicht arttypische) Futtermittel in mm/Woche, nach (Wolf, et al., 1995), Bild aus Rühle, 2017>{{ anatomie:gebiss:kaninchen_zahnabrieb_rabbit_tooth_abrasion.png?250}}</imgcaption> 
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 +Wolf & Kamphues, 1995((Wolf, P.; Kamphues, J. (1995): Probleme der art- und bedarfsgerechten Ernährung kleiner Nager als Heimtiere. Der praktische Tierarzt 12. 1088-1092)) maßen das Wachstum und die Abnutzung der Zähne durch den Verzehr verschiedener Futtermittel, unter anderem Möhren, Heu und Trockenfutter. Mit keinem dieser Futtermittel wurde eine Differenz zwischen Wachstum und Abrieb von 0,0 mm festgestellt. Das heißt, der Abrieb konnte das Längenwachstum nicht kompensieren. Aus dieser Untersuchung wurde ebenfalls deutlich, dass Heu für den Zahnabrieb eigentlich völlig ungeeignet wäre, denn die unteren Schneidezähne nutzten sich mit diesem Futtermittel am wenigsten ab. Für die oberen Schneidezähne war der Abrieb schlechter als bei der Verfütterung von Möhren. **Keines dieser Futtermittel entspricht aber der arttypischen, natürlichen Nahrung des Kaninchens.** Je mehr die Zähne in den roten Bereich ragen, umso größer ist der Unterschied zwischen Wachstum und Abnutzung, also die Gefahr der Entstehung von überlangen Schneidezähnen. Pellets und Möhren nutzen in diesem Fall die Zähne am besten ab, natives Kraftfutter und Heu am schlechtesten. Mit dieser Interpretation ist aber Vorsicht geboten, weil sie nur für diese spezielle Untersuchung gilt. 
  
 Leider ist ein wesentliches Merkmal fast aller Studien dieser Art, dass die tatsächliche, arttypische Nahrung des Kaninchens nicht mit untersucht wird. Bucher, 1994((Bucher, L. (1994): Fütterungsbedingte Einflüsse auf Wachstum und Abrieb von Schneidezähnen bei Zwergkaninchen. Berlin: Freie Universität. Fachber. Veterinärmed. Dissertation)) stellte als Resultat aus Ergebnissen ihrer Dissertation fest, dass es interessant wäre, Tiere mit Elefantenzähnen (also mit einem überschießenden Zahnwachstum) einer ausschließlichen Grünfütterung auszusetzen, um Schneidezahnwachstum und -abrieb zu untersuchen.\\  Leider ist ein wesentliches Merkmal fast aller Studien dieser Art, dass die tatsächliche, arttypische Nahrung des Kaninchens nicht mit untersucht wird. Bucher, 1994((Bucher, L. (1994): Fütterungsbedingte Einflüsse auf Wachstum und Abrieb von Schneidezähnen bei Zwergkaninchen. Berlin: Freie Universität. Fachber. Veterinärmed. Dissertation)) stellte als Resultat aus Ergebnissen ihrer Dissertation fest, dass es interessant wäre, Tiere mit Elefantenzähnen (also mit einem überschießenden Zahnwachstum) einer ausschließlichen Grünfütterung auszusetzen, um Schneidezahnwachstum und -abrieb zu untersuchen.\\ 
anatomie/zaehne.txt · Zuletzt geändert: 2018/11/01 19:42 von andreas