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brachyzephalie

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brachyzephalie [2025/12/20 07:46] – [Glöckner, 2002] kathrinbrachyzephalie [2026/01/24 20:38] (aktuell) – [Kaninchen] andreas
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 <imgcaption label2|Definition der Brachycephalie beim Hund gemäß dem Gesetz der Niederlande Nr. WJZ/19230636 vom 17.08.2023>{{ krankheiten:brachycephalie:dog_brachycephal.png?250}}</imgcaption>Am 24.08.2023 wurde ein Gesetz des Ministeriums für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität des Königreichs der Niederlande((Beleidsregel van de Minister van Landbouw, Natuur en Voedselkwaliteit van 17 augustus 2023, nr. WJZ/ 19230636, houdende regels over de toepassing van artikel 3.4, eerste en tweede lid, van het Besluit houders van dieren op honden (Beleidsregel brachycephale honden). Staatscourant 2023, 23619. https://zoek.officielebekendmakingen.nl/stcrt-2023-23619.html#)) veröffentlicht, in dem ein "kraniofaziales Verhältnis" für die Zucht von Hunden Anwendung findet. Definiert ist es als Quotient der Länge der Nase des Hundes, gemessen von der Nasenspitze bis zum "Stop", geteilt durch die Länge des Schädels des Hundes, gemessen vom "Stop" bis zum Hinterhauptbein (siehe <imgref label2>). Es darf nicht mit Hunden gezüchtet werden, wenn ein Tier eine relative Nasenverkürzung mit einem kraniofazialen Verhältnis von weniger als 0,3 aufweist. Die relative Nasenverkürzung, die auch als "kraniofaziale Ratio" (CFR) bezeichnet wird, ist eine Zahl, mit der sich der Schweregrad einer "Brachyzephalie" bei Hunden quantifizieren lässt. Je größer der CFR, desto größer ist die Nasenlänge im Vergleich zur Schädellänge. Als Referenz: Das kraniofaziale Verhältnis eines Wolfes beträgt 1,0. Hunde mit einem CFR von 0,5 und mehr gelten für dieses Merkmal als gut, Hunde mit einem CFR von 0,3 bis 0,5 als zufriedenstellend und Hunde mit einem CFR von weniger als 0,3 (//"extreem brachycephaal"//) als unzureichend. <imgcaption label2|Definition der Brachycephalie beim Hund gemäß dem Gesetz der Niederlande Nr. WJZ/19230636 vom 17.08.2023>{{ krankheiten:brachycephalie:dog_brachycephal.png?250}}</imgcaption>Am 24.08.2023 wurde ein Gesetz des Ministeriums für Landwirtschaft, Natur und Lebensmittelqualität des Königreichs der Niederlande((Beleidsregel van de Minister van Landbouw, Natuur en Voedselkwaliteit van 17 augustus 2023, nr. WJZ/ 19230636, houdende regels over de toepassing van artikel 3.4, eerste en tweede lid, van het Besluit houders van dieren op honden (Beleidsregel brachycephale honden). Staatscourant 2023, 23619. https://zoek.officielebekendmakingen.nl/stcrt-2023-23619.html#)) veröffentlicht, in dem ein "kraniofaziales Verhältnis" für die Zucht von Hunden Anwendung findet. Definiert ist es als Quotient der Länge der Nase des Hundes, gemessen von der Nasenspitze bis zum "Stop", geteilt durch die Länge des Schädels des Hundes, gemessen vom "Stop" bis zum Hinterhauptbein (siehe <imgref label2>). Es darf nicht mit Hunden gezüchtet werden, wenn ein Tier eine relative Nasenverkürzung mit einem kraniofazialen Verhältnis von weniger als 0,3 aufweist. Die relative Nasenverkürzung, die auch als "kraniofaziale Ratio" (CFR) bezeichnet wird, ist eine Zahl, mit der sich der Schweregrad einer "Brachyzephalie" bei Hunden quantifizieren lässt. Je größer der CFR, desto größer ist die Nasenlänge im Vergleich zur Schädellänge. Als Referenz: Das kraniofaziale Verhältnis eines Wolfes beträgt 1,0. Hunde mit einem CFR von 0,5 und mehr gelten für dieses Merkmal als gut, Hunde mit einem CFR von 0,3 bis 0,5 als zufriedenstellend und Hunde mit einem CFR von weniger als 0,3 (//"extreem brachycephaal"//) als unzureichend.
 ==== Kaninchen ==== ==== Kaninchen ====
-<imgcaption label3|Gesichts- und Hirnschädel des Kaninchens>{{ krankheiten:brachycephalie:gesicht_hirn_schaedel.png?250}}</imgcaption> In <imgref label3> ist die Aufteilung des [[anatomie:schaedel|Schädel]]eines Kaninchens in Hirn- und Gesichtsschädel des Kaninchens dargestellt. Im Gegensatz zu Katzen und Hunden verfügen Kaninchen als Pflanzenfresser im Ober- und Unterkiefer jeweils über einen zahnlosen Bereich, der "Diastema" genannt wird. Dort befinden sich bei Fleischfressern die Fang-/Eckzähne. Katzen gelten unstrittig als Fleischfresser, ebenso Wölfe als Vorfahren der Hunde. Die domestizierte Form des Wolfes hat allerdings einige, genetisch nachweisbare Anpassungen an die Nahrung des Menschen erfahren((Bosch, G., Hagen-Plantinga, E. A., & Hendriks, W. H. 2015. Dietary nutrient profiles of wild wolves: insights for optimal dog nutrition?. British Journal of Nutrition, 113(S1), 40-54.)) und könnte heute auch als "Allesfresser" bezeichnet werden.+<imgcaption label3|Gesichts- und Hirnschädel des Kaninchens>{{ krankheiten:brachycephalie:gesicht_hirn_schaedel.png?250}}</imgcaption> In <imgref label3> ist die Aufteilung des [[anatomie:schaedel|Schädels]] eines Kaninchens in Hirn- und Gesichtsschädel des Kaninchens dargestellt. Im Gegensatz zu Katzen und Hunden verfügen Kaninchen als Pflanzenfresser im Ober- und Unterkiefer jeweils über einen zahnlosen Bereich, der "Diastema" genannt wird. Dort befinden sich bei Fleischfressern die Fang-/Eckzähne. Katzen gelten unstrittig als Fleischfresser, ebenso Wölfe als Vorfahren der Hunde. Die domestizierte Form des Wolfes hat allerdings einige, genetisch nachweisbare Anpassungen an die Nahrung des Menschen erfahren((Bosch, G., Hagen-Plantinga, E. A., & Hendriks, W. H. 2015. Dietary nutrient profiles of wild wolves: insights for optimal dog nutrition?. British Journal of Nutrition, 113(S1), 40-54.)) und könnte heute auch als "Allesfresser" bezeichnet werden.
  
 Es gibt eine sehr große Fülle an Literatur zu Themen wie "Kurz-/Rundköpfigkeit" und "Zwergwuchs", in der bestimmte Kaninchenrassen als "brachyzephal" bezeichnet werden, allerdings existiert in keiner ein Verweis auf einen schlüssigen Nachweis bzw. eine Evidenz für die Behauptungen. Insbesondere die Verbindung eines "Zwergwuchses", "Brachyzephalie" und "[[krankheiten:zahnfehler#Angeborene Zahnfehler|Brachygnathia]]" wird auch in jüngster Literatur häufig erwähnt, obwohl bekannt ist, dass keine genetische Verknüpfung zwischen diesen existiert. Es gibt eine sehr große Fülle an Literatur zu Themen wie "Kurz-/Rundköpfigkeit" und "Zwergwuchs", in der bestimmte Kaninchenrassen als "brachyzephal" bezeichnet werden, allerdings existiert in keiner ein Verweis auf einen schlüssigen Nachweis bzw. eine Evidenz für die Behauptungen. Insbesondere die Verbindung eines "Zwergwuchses", "Brachyzephalie" und "[[krankheiten:zahnfehler#Angeborene Zahnfehler|Brachygnathia]]" wird auch in jüngster Literatur häufig erwähnt, obwohl bekannt ist, dass keine genetische Verknüpfung zwischen diesen existiert.
  
-Eine konkrete Definition für die Brachyzephalie bei Kaninchen existiert nicht, eine Zuordnung erfolgt subjektiv.+Eine konkrete Definition für die Brachyzephalie bei Kaninchen existiert nicht, eine Zuordnung erfolgt subjektiv. (Siehe auch: Review von Cressy //et al//., 2025((Cressy, H., Nishigaki, A., Gage, M. C., & Previdelli, R. L. 2025. Rethinking brachycephaly: Anatomical implications and health considerations in lagomorphs. The Anatomical Record.)).)
  
 Fiorello & German, 1997((Fiorello, C. V., & German, R. Z. 1997. Heterochrony within species: craniofacial growth in giant, standard, and dwarf rabbits. Evolution, 51(1), 250-261.)) untersuchten morphologische Unterschiede der Schädel im Wachstum von drei verschiedenen Kaninchenrassen: "Flemish Giant" (entspricht Deutsche Riesen), "New Zealand White" (Weiße Neuseeländer) und "Netherland Dwarf" (entspricht Farbenzwergen). In dieser Arbeit unterschied sich das endgültige oder adulte Verhältnis der vorderen zur hinteren Schädellänge nicht signifikant zwischen den Weißen Neuseeländern und den Riesenkaninchen. Es gab auch keinen signifikanten Unterschied in der Skalierung (Proportionen) während des Wachstums zwischen diesen beiden Rassen. Die Zwergkaninchen hingegen wiesen etwas andere Proportionen auf als die Weißen Neuseeländer. Ihre Vorderschädel waren sowohl im Erwachsenenalter als auch während des Wachstums relativ kürzer. Obwohl der vordere Teil des Schädels bei allen Rassen absolut schneller wuchs als der hintere Teil, wuchs der vordere Teil bei den Zwergkaninchen relativ langsamer als bei den Weißen Neuseeländern. Das gleiche Muster zeigte sich bei den beiden anderen Beziehungen, die den vorderen Schädel betreffen. Sowohl die Vergleiche anhand der adulten Proportionen als auch die ontogenetischen Beziehungen deuten darauf hin, dass die Vorderschädel der Zwerge breiter waren als die der Weißen Neuseeländer, sowohl in Bezug auf die gesamte Schädellänge als auch auf die Länge des Vorderschädels. In Bezug auf den hinteren Schädel sind die Zwergkaninchen "proportionierte Zwerge"; sie sind verkleinerte Weiße Neuseeländer und ähneln jugendlichen Weiße Neuseeländer. Sie durchlaufen dieselbe Wachstumskurve wie diese, aber sie hörten an einem früheren Punkt dieser Kurve auf. Dies galt nicht für den vorderen Schädel. Die Zwerge haben im Vergleich zu den Weiße Neuseeländern ein relativ kürzeres und breiteres Gesicht, was für alle untersuchten Verhältnisse zutraf. Das Wachstum der Zwergkaninchen hat nicht einfach an einem früheren Punkt der Entwicklung aufgehört, sondern die Veränderung war viel tiefgreifender. Die Schädelbreite der Zwerge wuchs relativ schneller als die der Weiße Neuseeländer. Die Zwergkaninchen waren keine "proportionierten Zwerge" im Hinblick auf den vorderen Schädel, aber sie ähnelten jugendlichen Weiße Neuseeländern. Es ist möglich, dass diese Ähnlichkeit mit jugendlichen Kaninchen normaler Größe ein künstlich ausgewähltes Merkmal ist, da die Züchter bestrebt sind, "niedlichere" Tiere zu züchten, die als Haustiere begehrter sind. Der vordere Schädel ist also der Ort, an dem die tiefgreifendsten Formunterschiede zwischen den Weiße Neuseeländern und den Zwergkaninchen auftreten.  Fiorello & German, 1997((Fiorello, C. V., & German, R. Z. 1997. Heterochrony within species: craniofacial growth in giant, standard, and dwarf rabbits. Evolution, 51(1), 250-261.)) untersuchten morphologische Unterschiede der Schädel im Wachstum von drei verschiedenen Kaninchenrassen: "Flemish Giant" (entspricht Deutsche Riesen), "New Zealand White" (Weiße Neuseeländer) und "Netherland Dwarf" (entspricht Farbenzwergen). In dieser Arbeit unterschied sich das endgültige oder adulte Verhältnis der vorderen zur hinteren Schädellänge nicht signifikant zwischen den Weißen Neuseeländern und den Riesenkaninchen. Es gab auch keinen signifikanten Unterschied in der Skalierung (Proportionen) während des Wachstums zwischen diesen beiden Rassen. Die Zwergkaninchen hingegen wiesen etwas andere Proportionen auf als die Weißen Neuseeländer. Ihre Vorderschädel waren sowohl im Erwachsenenalter als auch während des Wachstums relativ kürzer. Obwohl der vordere Teil des Schädels bei allen Rassen absolut schneller wuchs als der hintere Teil, wuchs der vordere Teil bei den Zwergkaninchen relativ langsamer als bei den Weißen Neuseeländern. Das gleiche Muster zeigte sich bei den beiden anderen Beziehungen, die den vorderen Schädel betreffen. Sowohl die Vergleiche anhand der adulten Proportionen als auch die ontogenetischen Beziehungen deuten darauf hin, dass die Vorderschädel der Zwerge breiter waren als die der Weißen Neuseeländer, sowohl in Bezug auf die gesamte Schädellänge als auch auf die Länge des Vorderschädels. In Bezug auf den hinteren Schädel sind die Zwergkaninchen "proportionierte Zwerge"; sie sind verkleinerte Weiße Neuseeländer und ähneln jugendlichen Weiße Neuseeländer. Sie durchlaufen dieselbe Wachstumskurve wie diese, aber sie hörten an einem früheren Punkt dieser Kurve auf. Dies galt nicht für den vorderen Schädel. Die Zwerge haben im Vergleich zu den Weiße Neuseeländern ein relativ kürzeres und breiteres Gesicht, was für alle untersuchten Verhältnisse zutraf. Das Wachstum der Zwergkaninchen hat nicht einfach an einem früheren Punkt der Entwicklung aufgehört, sondern die Veränderung war viel tiefgreifender. Die Schädelbreite der Zwerge wuchs relativ schneller als die der Weiße Neuseeländer. Die Zwergkaninchen waren keine "proportionierten Zwerge" im Hinblick auf den vorderen Schädel, aber sie ähnelten jugendlichen Weiße Neuseeländern. Es ist möglich, dass diese Ähnlichkeit mit jugendlichen Kaninchen normaler Größe ein künstlich ausgewähltes Merkmal ist, da die Züchter bestrebt sind, "niedlichere" Tiere zu züchten, die als Haustiere begehrter sind. Der vordere Schädel ist also der Ort, an dem die tiefgreifendsten Formunterschiede zwischen den Weiße Neuseeländern und den Zwergkaninchen auftreten. 
  
 In Fontanesi, 2021((Fontanesi, L. 2021. The genetics and genomics of the rabbit. Wallingford, Oxfordshire ; Boston, MA : CAB International. ISBN: 9-781-78064-3342.)) heißt es zu Kopfformen des Kaninchens: //"Skull shape variability is evident comparing different breeds. In particular, Lop breeds have a typical short skull morphology, resembling brachycephaly, which increases the risk of dental problems (Böhmer and Böhmer, 2017)((Böhmer, C., & Böhmer, E. 2017. Shape variation in the craniomandibular system and prevalence of dental problems in domestic rabbits: a case study in evolutionary veterinary science. Veterinary sciences, 4(1), 5. https://doi.org/10.3390/vetsci4010005)). General skull form was studied by Suchalla (1943)((Suchalla, H. 1943. Variabilität und Erblichkeit von Schädelmerkmalen bei Zwerg-und Riesenrassen; dargestellt an Hermelin-und Widderkaninchen. Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie, (H. 2/3), 274-333.)) by analyzing Fl, F2 and backcrossed rabbits obtained by crossing parental animals of a small breed and of a lop-eared large breed. Heredity of 27 measured skull traits was typically polygenic with complex interactions between the different parts of the skull."// \\  In Fontanesi, 2021((Fontanesi, L. 2021. The genetics and genomics of the rabbit. Wallingford, Oxfordshire ; Boston, MA : CAB International. ISBN: 9-781-78064-3342.)) heißt es zu Kopfformen des Kaninchens: //"Skull shape variability is evident comparing different breeds. In particular, Lop breeds have a typical short skull morphology, resembling brachycephaly, which increases the risk of dental problems (Böhmer and Böhmer, 2017)((Böhmer, C., & Böhmer, E. 2017. Shape variation in the craniomandibular system and prevalence of dental problems in domestic rabbits: a case study in evolutionary veterinary science. Veterinary sciences, 4(1), 5. https://doi.org/10.3390/vetsci4010005)). General skull form was studied by Suchalla (1943)((Suchalla, H. 1943. Variabilität und Erblichkeit von Schädelmerkmalen bei Zwerg-und Riesenrassen; dargestellt an Hermelin-und Widderkaninchen. Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie, (H. 2/3), 274-333.)) by analyzing Fl, F2 and backcrossed rabbits obtained by crossing parental animals of a small breed and of a lop-eared large breed. Heredity of 27 measured skull traits was typically polygenic with complex interactions between the different parts of the skull."// \\ 
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 In der erwähnten Arbeit von Böhmer und Böhmer, 2017((Böhmer, C., & Böhmer, E. 2017. Shape variation in the craniomandibular system and prevalence of dental problems in domestic rabbits: a case study in evolutionary veterinary science. Veterinary sciences, 4(1), 5. https://doi.org/10.3390/vetsci4010005)) wurden die Schädel von 12 Wildkaninchen und 12 Hauskaninchen unbekannter Rasse miteinander verglichen - Widderkaninchen (//Lop-breed//) wurden in der gesamten Arbeit nicht erwähnt. In Bezug auf kurze Köpfe wurde von Böhmer, 2017 angemerkt: //"In accordance with the breeding for “cuteness” (concept of baby schema, “Kindchenschema”), the present analysis reveals that the skull shape is generally more quadratic in domestic rabbits, whereas wild rabbits tend to have a long and flat skull."// Die Feststellung ist etwas widersprüchlich, weil Kaninchen nicht generell wegen eines "baby schema, "Kindchenschema" gezüchtet wurden, sondern ursprünglich als Nutztiere (Fleisch, Fell). Zudem fehlt eine Rassezuordnung in der Arbeit. Die Rassezuchtkaninchen von früher existieren heute noch, Tiere mit extremen Ausprägungen eines Phänotyps stammen in der Regel aus unkontrollierten Vermehrungs- oder Hobbyzuchten. Weiter hieß es in der Arbeit: //"On the one hand, selective breeding for extremely short crania in dwarf rabbits is sometimes accompanied with the occurrence of extremely short skulls (brachygnathic rabbits with a shorter maxillary diastema and secondary congenital incisor malocclusion). On the other hand, it has been proven that diet has a significant influence on skull morphology as well (phenotypic plasticity)."//((Böhmer, C., & Böhmer, E. 2017. Shape variation in the craniomandibular system and prevalence of dental problems in domestic rabbits: a case study in evolutionary veterinary science. Veterinary sciences, 4(1), 5. https://doi.org/10.3390/vetsci4010005)) Die Zucht auf kurze Schädel hat beim Kaninchen nichts mit der [[krankheiten:zahnfehler#Angeborene Zahnfehler|Brachygnathia superior]] zu tun, weil kein genetischer Link bzw. eine Verknüpfung zwischen "Brachycephalie" und "Brachygnathia" gibt. Die "Brachygnathia" verursacht eine Verkürzung des Diastemas, woraus eine Verkürzung des Schädels folgt.((Fox, R. R. & Crary, D. D. 1971. Mandibular Prognathism in the Rabbit: Genetic studies. Journal of Heredity, 62(1), 23-27.))((Fox, R. R. 1994. Taxonomy and Genetics. In: Manning, P. J.; Ringler, D. H. & Newcomer, C. E. (Eds): The Biology of the Laboratory Rabbit. 2nd. Ed. San Diego : Academic Press. ISBN: 0124692354. S. 1-26.)) In der angeführten Arbeit von Suchalla, 1943((Suchalla, H. 1943. Variabilität und Erblichkeit von Schädelmerkmalen bei Zwerg-und Riesenrassen; dargestellt an Hermelin-und Widderkaninchen. Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie, (H. 2/3), 274-333.)) wurden Ergebnisse der Arbeit auszugsweise folgendermaßen zusammengefasst: //"Innerhalb der Familie der Leporiden herrscht das Prinzip gleicher kraniologischer Unterschiede zwischen Arten und Rassen. Charakteristische Hermelinschädelformen resultieren aus einem Symptomenkomplex, dessen Einzelwirkungen auf Zwergwuchs- und Kraniosynostose-Faktoren zurückgeführt werden. Widderschädel zeichnen sich durch eine relativ einheitliche Formgebung aus. Die Sagittalumrissformen beider Rassen werden in der Bastardierung kombiniert bzw. gesprengt. Komplexe Vererbung einerseits und Spaltung sagittaler Umrissformen andererseits dürfte die wahrscheinlichste der morphologischen Befunde an Bastardschädelumrissen sein."// In der erwähnten Arbeit von Böhmer und Böhmer, 2017((Böhmer, C., & Böhmer, E. 2017. Shape variation in the craniomandibular system and prevalence of dental problems in domestic rabbits: a case study in evolutionary veterinary science. Veterinary sciences, 4(1), 5. https://doi.org/10.3390/vetsci4010005)) wurden die Schädel von 12 Wildkaninchen und 12 Hauskaninchen unbekannter Rasse miteinander verglichen - Widderkaninchen (//Lop-breed//) wurden in der gesamten Arbeit nicht erwähnt. In Bezug auf kurze Köpfe wurde von Böhmer, 2017 angemerkt: //"In accordance with the breeding for “cuteness” (concept of baby schema, “Kindchenschema”), the present analysis reveals that the skull shape is generally more quadratic in domestic rabbits, whereas wild rabbits tend to have a long and flat skull."// Die Feststellung ist etwas widersprüchlich, weil Kaninchen nicht generell wegen eines "baby schema, "Kindchenschema" gezüchtet wurden, sondern ursprünglich als Nutztiere (Fleisch, Fell). Zudem fehlt eine Rassezuordnung in der Arbeit. Die Rassezuchtkaninchen von früher existieren heute noch, Tiere mit extremen Ausprägungen eines Phänotyps stammen in der Regel aus unkontrollierten Vermehrungs- oder Hobbyzuchten. Weiter hieß es in der Arbeit: //"On the one hand, selective breeding for extremely short crania in dwarf rabbits is sometimes accompanied with the occurrence of extremely short skulls (brachygnathic rabbits with a shorter maxillary diastema and secondary congenital incisor malocclusion). On the other hand, it has been proven that diet has a significant influence on skull morphology as well (phenotypic plasticity)."//((Böhmer, C., & Böhmer, E. 2017. Shape variation in the craniomandibular system and prevalence of dental problems in domestic rabbits: a case study in evolutionary veterinary science. Veterinary sciences, 4(1), 5. https://doi.org/10.3390/vetsci4010005)) Die Zucht auf kurze Schädel hat beim Kaninchen nichts mit der [[krankheiten:zahnfehler#Angeborene Zahnfehler|Brachygnathia superior]] zu tun, weil kein genetischer Link bzw. eine Verknüpfung zwischen "Brachycephalie" und "Brachygnathia" gibt. Die "Brachygnathia" verursacht eine Verkürzung des Diastemas, woraus eine Verkürzung des Schädels folgt.((Fox, R. R. & Crary, D. D. 1971. Mandibular Prognathism in the Rabbit: Genetic studies. Journal of Heredity, 62(1), 23-27.))((Fox, R. R. 1994. Taxonomy and Genetics. In: Manning, P. J.; Ringler, D. H. & Newcomer, C. E. (Eds): The Biology of the Laboratory Rabbit. 2nd. Ed. San Diego : Academic Press. ISBN: 0124692354. S. 1-26.)) In der angeführten Arbeit von Suchalla, 1943((Suchalla, H. 1943. Variabilität und Erblichkeit von Schädelmerkmalen bei Zwerg-und Riesenrassen; dargestellt an Hermelin-und Widderkaninchen. Zeitschrift für Morphologie und Anthropologie, (H. 2/3), 274-333.)) wurden Ergebnisse der Arbeit auszugsweise folgendermaßen zusammengefasst: //"Innerhalb der Familie der Leporiden herrscht das Prinzip gleicher kraniologischer Unterschiede zwischen Arten und Rassen. Charakteristische Hermelinschädelformen resultieren aus einem Symptomenkomplex, dessen Einzelwirkungen auf Zwergwuchs- und Kraniosynostose-Faktoren zurückgeführt werden. Widderschädel zeichnen sich durch eine relativ einheitliche Formgebung aus. Die Sagittalumrissformen beider Rassen werden in der Bastardierung kombiniert bzw. gesprengt. Komplexe Vererbung einerseits und Spaltung sagittaler Umrissformen andererseits dürfte die wahrscheinlichste der morphologischen Befunde an Bastardschädelumrissen sein."//
  
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   * //“Dwarf fox”// (Fuchszwerg).\\    * //“Dwarf fox”// (Fuchszwerg).\\ 
  
-Anhand der Vermessungen von CT-Aufnahmen einer Stichprobe von Wildkaninchen und Rassekaninchen ("Klein Chinchilla", "Hermelin", "Schwarzloh", "Holländer", "Russe" und "Angora") wurde von Geiger et al., 2022((Geiger, M., Sánchez‐Villagra, M. R., & Sherratt, E. 2022. Cranial shape variation in domestication: A pilot study on the case of rabbits. Journal of Experimental Zoology Part B: Molecular and Developmental Evolution, 338(8), 532-541.)) festgestellt, dass bei den Hauskaninchen die Abmessungen des Gehirns bei kleinen Kaninchen überproportional groß waren, während die Gesichtslänge proportional zur Körpergröße skalierte. Dieses Muster war besonders auffällig bei der kleinsten der untersuchten Rassen, den Hermelin-Kaninchen. Dieses Skalierungsmuster würde zu ähnlichen Veränderungen der Schädelproportionen beitragen, wie sie bereits beschrieben wurden((Fiorello, C. V., & German, R. Z. 1997. Heterochrony within species: craniofacial growth in giant, standard, and dwarf rabbits. Evolution, 51(1), 250-261.)). Obwohl diese Skalierungsbeziehungen bei kleinen Hauskaninchen zu relativ kurzen Hirnschädeln führen (und damit zu einem Muster, das als "allometrische" Brachyzephalie beschrieben werden könnte), scheint dies lediglich das Ergebnis einer negativ allometrischen Skalierung des Hirnschädels zu sein.((Geiger, M., Schoenebeck, J. J., Schneider, R. A., Schmidt, M. J., Fischer, M. S., & Sánchez-Villagra, M. R. 2021. Exceptional changes in skeletal anatomy under domestication: The case of brachycephaly. Integrative Organismal Biology, 3(1), obab023. https://doi.org/10.1093/iob/obab023))+Anhand der Vermessungen von CT-Aufnahmen einer Stichprobe von Wildkaninchen und Rassekaninchen ("Klein Chinchilla", "Hermelin", "Schwarzloh", "Holländer", "Russe" und "Angora") wurde von Geiger et al., 2022((Geiger, M., Sánchez‐Villagra, M. R., & Sherratt, E. 2022. Cranial shape variation in domestication: A pilot study on the case of rabbits. Journal of Experimental Zoology Part B: Molecular and Developmental Evolution, 338(8), 532-541.)) festgestellt, dass bei den Hauskaninchen die Abmessungen des Gehirns bei kleinen Kaninchen überproportional groß waren, während die Gesichtslänge proportional zur Körpergröße skalierte. Dieses Muster war besonders auffällig bei der kleinsten der untersuchten Rassen, den Hermelin-Kaninchen. Dieses Skalierungsmuster würde zu ähnlichen Veränderungen der Schädelproportionen beitragen, wie sie bereits beschrieben wurden((Fiorello, C. V., & German, R. Z. 1997. Heterochrony within species: craniofacial growth in giant, standard, and dwarf rabbits. Evolution, 51(1), 250-261.)). Obwohl diese Skalierungsbeziehungen bei kleinen Hauskaninchen zu relativ kurzen Hirnschädeln führen (und damit zu einem Muster, das als "allometrische" Brachyzephalie beschrieben werden könnte), scheint dies lediglich das Ergebnis einer negativ allometrischen Skalierung des Hirnschädels zu sein.((Geiger, M., Schoenebeck, J. J., Schneider, R. A., Schmidt, M. J., Fischer, M. S., & Sánchez-Villagra, M. R. 2021. Exceptional changes in skeletal anatomy under domestication: The case of brachycephaly. Integrative Organismal Biology, 3(1), obab023. https://doi.org/10.1093/iob/obab023))\\  
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 +Untersuchungsergebnisse von Sherrat et al., 2025((Sherrat E, Böhmer C, Callou C, Nelson TJ, Pillai R, Ruf I, Sanger TJ, Schaar J, Le Verger K, Kraatz B, Geiger M 2025 From wild to domestic and the in between? How domestication and feralization changed the morphology of rabbits. Proc R Soc B 292: 20251150. doi.org/10.1098/rspb.2025.1150)) zeigten, dass Schädelveränderungen domestizierter Kaninchen nicht vollständig den vorhergesagten entsprachen, die mit dem „Domestizierungssyndrom“ assoziiert werden. Sie wiesen proportional längere Gesichtsschädel anstelle der vorhergesagten kürzeren auf, hatten aber proportional kleinere Gehirnschädel. Dieses Muster entspricht eher einer weit verbreiteten kraniofazialen Allometrie, die bei Säugetieren bereits gut untersucht ist (siehe z. B. Mitchell et al., 2024((Mitchell, D. R., Sherratt, E., & Weisbecker, V. (2024). Facing the facts: adaptive trade‐offs along body size ranges determine mammalian craniofacial scaling. Biological Reviews, 99(2), 496-524))). Die Verringerung der Gehirngröße bei domestizierten Tieren im Vergleich zu ihren wilden Artgenossen – einschließlich Kaninchen – gehört zu den beständigsten Mustern bei der Domestizierung . Siehe auch "Das [[:domestikation|Domestikations]]-Syndrom bei Hauskaninchen" bei Thieme, 2025((https://tiermedizin.thieme.de/aktuelles/vet-news/detail/das-domestikations-syndrom-bei-hauskaninchen-2003 Abruf am 23.01.2026))\\ 
  
 Anmerkung: In ausländischen Arbeiten werden oft Tiere genutzt, die nicht dem deutschen Rassestandard des ZDRK entsprechen. Gemäß diesem -- und ebenso dem Europa Standard -- beträgt die ideale Ohrlänge von Farbenzwergen und Hermelinkaninchen 5,0 - 6,0 cm (je nach Größenrahmen)((ZDRK, 2018. Bewertungsbestimmungen, Standard für die Beurteilung der Rassekaninchen und Exponate, Auflage 2018, Herausgeber: Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter e.V., Redaktionsleitung: Bernd Graf, Am Kirschgarten 62, 67434 Neustadt, Druck und Verarbeitung: HAGO Druck § Medien GmbH, 76307 Karlsbad, Vertrieb durch die Drucksachenverteilerstelle des ZDRK e.V.))((Vogt, W., Olinger, R., Haman, U., Eber, M., Caithamlova, D., Weissenbacher, Y. 2024. Europa Standard. Herausgeber: Standardkommission der Sparte Kaninchen im Europäischen Verband für Geflügel-, Tauben-, Vogel-, Kaninchen- und Caviazucht. 03-2024.)) im Vergleich zu Wildkaninchen mit 6,0 - 8,2 (je nach Größenrahmen)((Niethammer, J. Krapp, F. 2003. Handbuch der Säugetiere Europas. Hasenartige. 1. Auflage. Akad. Verl.-Ges.; Wiesbaden. ISBN 978-3-89104-509-1.)).\\  Anmerkung: In ausländischen Arbeiten werden oft Tiere genutzt, die nicht dem deutschen Rassestandard des ZDRK entsprechen. Gemäß diesem -- und ebenso dem Europa Standard -- beträgt die ideale Ohrlänge von Farbenzwergen und Hermelinkaninchen 5,0 - 6,0 cm (je nach Größenrahmen)((ZDRK, 2018. Bewertungsbestimmungen, Standard für die Beurteilung der Rassekaninchen und Exponate, Auflage 2018, Herausgeber: Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter e.V., Redaktionsleitung: Bernd Graf, Am Kirschgarten 62, 67434 Neustadt, Druck und Verarbeitung: HAGO Druck § Medien GmbH, 76307 Karlsbad, Vertrieb durch die Drucksachenverteilerstelle des ZDRK e.V.))((Vogt, W., Olinger, R., Haman, U., Eber, M., Caithamlova, D., Weissenbacher, Y. 2024. Europa Standard. Herausgeber: Standardkommission der Sparte Kaninchen im Europäischen Verband für Geflügel-, Tauben-, Vogel-, Kaninchen- und Caviazucht. 03-2024.)) im Vergleich zu Wildkaninchen mit 6,0 - 8,2 (je nach Größenrahmen)((Niethammer, J. Krapp, F. 2003. Handbuch der Säugetiere Europas. Hasenartige. 1. Auflage. Akad. Verl.-Ges.; Wiesbaden. ISBN 978-3-89104-509-1.)).\\ 
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 (Österreich: Anhebung der idealen Ohrlänge bei Hermelin, Farbenzwergen und anderen Zwergrassen auf 5,5 - 6,5 cm ab 01.03.2026((Seeber, R., Mairinger, H., Koretic, A., Guggenberger, H. 2025. Zusatzbestimmungen zum Europastandard 2024 bezüglich Übertypisierung von Rassekaninchen. 7-8. In: Freude mit der Kleintierzucht. RÖK Fachzeitschrift. Dezember 2025.))) (Österreich: Anhebung der idealen Ohrlänge bei Hermelin, Farbenzwergen und anderen Zwergrassen auf 5,5 - 6,5 cm ab 01.03.2026((Seeber, R., Mairinger, H., Koretic, A., Guggenberger, H. 2025. Zusatzbestimmungen zum Europastandard 2024 bezüglich Übertypisierung von Rassekaninchen. 7-8. In: Freude mit der Kleintierzucht. RÖK Fachzeitschrift. Dezember 2025.)))
 ===== Darstellungen von Tierärzten ===== ===== Darstellungen von Tierärzten =====
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 29,4 % der Tiere hatten eine Zahnerkrankung, wobei die meisten an einer subklinischen Zahnerkrankung litten, die z. B. durch Schneidezahnrippen, Unterkieferunregelmäßigkeiten und Dakryozystitis gekennzeichnet waren. 29,4 % der Tiere hatten eine Zahnerkrankung, wobei die meisten an einer subklinischen Zahnerkrankung litten, die z. B. durch Schneidezahnrippen, Unterkieferunregelmäßigkeiten und Dakryozystitis gekennzeichnet waren.
-Um das Risiko von Zahnerkrankungen zu verringern, wurde empfohlen, als Futterkonzentrat-Ergänzung der Nahrung Pellets und keine Mischfutter zu verfüttern sowie Grünfutter und Heu täglich zur Verfügung zu stellen. Pellets wurden als Ergänzung empfohlen, um einen eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und [[wirkstoffe:vitamine:vitamin_d|Vitamin D]] zu gewährleisten, die eine wichtige Rolle für die Zahngesundheit spielen.+Um das Risiko von Zahnerkrankungen zu verringern, wurde empfohlen, als Futterkonzentrat-Ergänzung der Nahrung Pellets und keine Mischfutter zu verfüttern sowie Grünfutter und Heu täglich zur Verfügung zu stellen. Pellets wurden als Ergänzung empfohlen, um eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und [[wirkstoffe:vitamine:vitamin_d|Vitamin D]] zu gewährleisten, die eine wichtige Rolle für die Zahngesundheit spielen.
 ==== Mäkitaipale et al., 2015 ====  ==== Mäkitaipale et al., 2015 ==== 
-Für eine Studie von Mäkitaipale et al., 2015((Mäkitaipale, J., Harcourt‐Brown, F. M., & Laitinen‐Vapaavuori, O. 2015. Health survey of 167 pet rabbits (Oryctolagus cuniculus) in Finland. Veterinary Record, 177(16), 418-418)) wurden insgesamt 167 Heimkaninchen durch Werbung in ganz Finnland für eine Gesundheitserhebung gewonnen. Es waren 17 Rassen vertreten, wobei Zwergwidder die größte Gruppe bildeten (n=47, 28,1 %). Kaninchen gemischter Rassen bildeten die zweitgrößte Gruppe (n=43, 25,7 %). Das Durchschnittsalter der Kaninchen betrug 2,8 Jahre (Spanne 0,3-9,3 Jahre). Außerdem waren 83 Kaninchen (51,5 %) weiblich, von denen 12 kastriert waren (14,0 %), und 81 Kaninchen (48,5 %) waren männlich, von denen 35 kastriert waren (43,2 %).+Für eine Studie von Mäkitaipale et al., 2015((Mäkitaipale, J., Harcourt‐Brown, F. M., & Laitinen‐Vapaavuori, O. 2015. Health survey of 167 pet rabbits (Oryctolagus cuniculus) in Finland. Veterinary Record, 177(16), 418-418.)) wurden insgesamt 167 Heimkaninchen durch Werbung in ganz Finnland für eine Gesundheitserhebung gewonnen. Es waren 17 Rassen vertreten, wobei Zwergwidder die größte Gruppe bildeten (n=47, 28,1 %). Kaninchen gemischter Rassen bildeten die zweitgrößte Gruppe (n=43, 25,7 %). Das Durchschnittsalter der Kaninchen betrug 2,8 Jahre (Spanne 0,3-9,3 Jahre). Außerdem waren 83 Kaninchen (51,5 %) weiblich, von denen 12 kastriert waren (14,0 %), und 81 Kaninchen (48,5 %) waren männlich, von denen 35 kastriert waren (43,2 %).
  
 Zahnerkrankungen waren der häufigste Befund sowohl bei der körperlichen als auch bei der röntgenologischen Untersuchung. Die [[:praevalenz|Prävalenz]] von Zahnanomalien, einschließlich Hypodontie und Schneidezahnanomalien, betrug in der Studie 45,5% (n=76). Erworbene Zahnerkrankungen (PSADD) traten signifikant häufiger bei Kaninchen auf, die älter als drei Jahre waren (P<0,05), und waren bei beiden Geschlechtern gleichermaßen zu beobachten (Weibchen 40,7%, Männchen 39,5%). Die Häufigkeit von PSADD war bei Löwenkopfkaninchen im Vergleich zu anderen Rassen in dieser Studie höher (P<0,05). Löwenköpfchen zeichnen sich durch einen länglichen Kopf aus. Es wurde kein Zusammenhang zwischen anderen Rassen und Zahnerkrankungen festgestellt. Zahnerkrankungen waren der häufigste Befund sowohl bei der körperlichen als auch bei der röntgenologischen Untersuchung. Die [[:praevalenz|Prävalenz]] von Zahnanomalien, einschließlich Hypodontie und Schneidezahnanomalien, betrug in der Studie 45,5% (n=76). Erworbene Zahnerkrankungen (PSADD) traten signifikant häufiger bei Kaninchen auf, die älter als drei Jahre waren (P<0,05), und waren bei beiden Geschlechtern gleichermaßen zu beobachten (Weibchen 40,7%, Männchen 39,5%). Die Häufigkeit von PSADD war bei Löwenkopfkaninchen im Vergleich zu anderen Rassen in dieser Studie höher (P<0,05). Löwenköpfchen zeichnen sich durch einen länglichen Kopf aus. Es wurde kein Zusammenhang zwischen anderen Rassen und Zahnerkrankungen festgestellt.
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 Die Prävalenz von Anomalien war bei älteren Kaninchen signifikant höher als bei jüngeren; insgesamt 82,3 % (n=51) der Kaninchen, die älter als drei Jahre waren, wiesen Befunde bei der körperlichen oder röntgenologischen Untersuchung auf. Die Autoren stellten fest, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Kaninchen in den letzten Jahren gestiegen sei und es wäre nicht ungewöhnlich, Kaninchen im Alter von über 10 Jahren anzutreffen, insbesondere bei mittelgroßen Kaninchen. Mittelgroße Kaninchen könnten im Alter von sieben Jahren als geriatrisch angesehen werden, aber Zwerg- und Riesenrassen wiesen eine kürzere Lebenserwartung auf. Geriatrische Erkrankungen können bei diesen Rassen bereits im Alter von vier bis fünf Jahren auftreten. Die Prävalenz von Anomalien war bei älteren Kaninchen signifikant höher als bei jüngeren; insgesamt 82,3 % (n=51) der Kaninchen, die älter als drei Jahre waren, wiesen Befunde bei der körperlichen oder röntgenologischen Untersuchung auf. Die Autoren stellten fest, dass die durchschnittliche Lebenserwartung von Kaninchen in den letzten Jahren gestiegen sei und es wäre nicht ungewöhnlich, Kaninchen im Alter von über 10 Jahren anzutreffen, insbesondere bei mittelgroßen Kaninchen. Mittelgroße Kaninchen könnten im Alter von sieben Jahren als geriatrisch angesehen werden, aber Zwerg- und Riesenrassen wiesen eine kürzere Lebenserwartung auf. Geriatrische Erkrankungen können bei diesen Rassen bereits im Alter von vier bis fünf Jahren auftreten.
 ==== Korn, 2016 ====  ==== Korn, 2016 ==== 
-Das Ziel einer Dissertation von Korn, 2016((Korn, A. K. 2016. Zahn- und Kieferveränderungen beim Kaninchen. Diagnostik, Auftreten und Heritabilitäten. Giessen : VVB Laufersweiler Verlag. Dissertation)) bestand darin, festzustellen, ob es auf züchterischem Wege möglich ist, Zahnerkrankungen nachhaltig zu verringern: //"Insgesamt wurden 14 männliche und 18 weibliche Zuchtkaninchen zehn verschiedener Rassen, sowie 235 daraus gezogene Jungtiere, reinrassig oder Kreuzungen, in die Studie einbezogen. Zwischen zwei dieser Jungtiere erfolgte außerdem, als diese ausgewachsen waren, eine Anpaarung mit zwölf Nachkommen. Eine Übersicht über die Abstammung aller Jungtiere und die Anzahl an Kaninchen bis zum Zeitpunkt des Absetzens (n= 232) und bis zum Erreichen des Adultstatus (n= 209) zeigt Tabelle 1A im Anhang."// Das Material in der Studie bestand aus folgenden Tieren: //"Zwergrassen und kleine Rassen: Holländische Zwergwidder, Deutsche Kleinwidder, Kleinsilber; Mittelgroße Rassen: Blaue Wiener, Rote Neuseeländer, Thüringer, Rheinische Schecken, Weißgrannen, ZiKa; Große Rassen: Deutsche Riesenschecken"// (Tabelle 4, S. 50)+Das Ziel einer Dissertation von Korn, 2016((Korn, A. K. 2016. Zahn- und Kieferveränderungen beim Kaninchen. Diagnostik, Auftreten und Heritabilitäten. Giessen : VVB Laufersweiler Verlag. Dissertation.)) bestand darin, festzustellen, ob es auf züchterischem Wege möglich ist, Zahnerkrankungen nachhaltig zu verringern: //"Insgesamt wurden 14 männliche und 18 weibliche Zuchtkaninchen zehn verschiedener Rassen, sowie 235 daraus gezogene Jungtiere, reinrassig oder Kreuzungen, in die Studie einbezogen. Zwischen zwei dieser Jungtiere erfolgte außerdem, als diese ausgewachsen waren, eine Anpaarung mit zwölf Nachkommen. Eine Übersicht über die Abstammung aller Jungtiere und die Anzahl an Kaninchen bis zum Zeitpunkt des Absetzens (n= 232) und bis zum Erreichen des Adultstatus (n= 209) zeigt Tabelle 1A im Anhang."// Das Material in der Studie bestand aus folgenden Tieren: //"Zwergrassen und kleine Rassen: Holländische Zwergwidder, Deutsche Kleinwidder, Kleinsilber; Mittelgroße Rassen: Blaue Wiener, Rote Neuseeländer, Thüringer, Rheinische Schecken, Weißgrannen, ZiKa; Große Rassen: Deutsche Riesenschecken"// (Tabelle 4, S. 50)
  
 Eine Feststellung in der Arbeit lautete: //"Fast alle Kaninchen, die in dieser Untersuchung von einem Aufbiss oder einer "Brachygnathia superior" betroffen waren, gehörten einer mittelgroßen bis großen Rasse an (Größe b). So kann belegt werden, dass diese pathologischen Zustände nicht an Zwergrassen mit gedrungenen Schädelformen gebunden sind."// In der Zusammenfassung wurde u. a. erläutert: //"Aus der vorliegenden Arbeit wird ersichtlich, dass Kaninchen jeder Rasse von Zahn- und Kieferveränderungen betroffen sein können und dass das Auftreten dieser Veränderungen einer zeitlichen Dynamik unterliegt."// Eine Feststellung in der Arbeit lautete: //"Fast alle Kaninchen, die in dieser Untersuchung von einem Aufbiss oder einer "Brachygnathia superior" betroffen waren, gehörten einer mittelgroßen bis großen Rasse an (Größe b). So kann belegt werden, dass diese pathologischen Zustände nicht an Zwergrassen mit gedrungenen Schädelformen gebunden sind."// In der Zusammenfassung wurde u. a. erläutert: //"Aus der vorliegenden Arbeit wird ersichtlich, dass Kaninchen jeder Rasse von Zahn- und Kieferveränderungen betroffen sein können und dass das Auftreten dieser Veränderungen einer zeitlichen Dynamik unterliegt."//
 ==== Reuschel, 2018 ====  ==== Reuschel, 2018 ==== 
-<imgcaption label4|Schädellängen, nach Reuschel, 2018>{{ krankheiten:brachycephalie:rabbit_skull_length_kaninchen_schaedellaenge.png?250}}</imgcaption>Das Ziel einer Dissertation von Reuschel, 2018((Reuschel, M. 2018. Untersuchungen zur Bildgebung des Kaninchenohres mit besonderer Berücksichtigung der Diagnostik einer Otitis bei unterschiedlichen Kaninchenrassen. Tierärztliche Hochschule Hannover. Dissertation. ISBN 978-3-86345-460-9)) bestand in der Untersuchung der Befunde von Röntgen und Computertomographie im Hinblick auf die Diagnostik von Erkrankungen des Ohres beim Kaninchen. Dafür standen Heimkaninchen mit Stehohren und hängenden Ohren (Widder) zur Verfügung, deren jeweilge Rassezugehörigkeit nicht angegeben wurde. Für eine Auswertung verschiedener Vermessungen der Schädel standen zudem 20 Versuchskaninchen zur Verfügung (Weiße Neuseeländer). \\ +<imgcaption label4|Schädellängen, nach Reuschel, 2018>{{ krankheiten:brachycephalie:rabbit_skull_length_kaninchen_schaedellaenge.png?250}}</imgcaption>Das Ziel einer Dissertation von Reuschel, 2018((Reuschel, M. 2018. Untersuchungen zur Bildgebung des Kaninchenohres mit besonderer Berücksichtigung der Diagnostik einer Otitis bei unterschiedlichen Kaninchenrassen. Tierärztliche Hochschule Hannover. Dissertation. ISBN 978-3-86345-460-9.)) bestand in der Untersuchung der Befunde von Röntgen und Computertomographie im Hinblick auf die Diagnostik von Erkrankungen des Ohres beim Kaninchen. Dafür standen Heimkaninchen mit Stehohren und hängenden Ohren (Widder) zur Verfügung, deren jeweilge Rassezugehörigkeit nicht angegeben wurde. Für eine Auswertung verschiedener Vermessungen der Schädel standen zudem 20 Versuchskaninchen zur Verfügung (Weiße Neuseeländer). \\ 
  
 <imgcaption label5|Längen-Indices, nach Reuschel, 2018>{{ krankheiten:brachycephalie:rabbit_skull_length_index.png?250}}</imgcaption>Ermittelt wurden neben der "Schädellänge" (<imgref label4>) auch der "Längen-Index" als Quotient aus Gehirnschädellänge / Gesichtsschädellänge (<imgref label5>). In Bezug auf die Schädellänge hatten Kaninchen mit "Stehohren" den kürzesten und die Versuchskaninchen im Mittel den längsten Schädel. Die "Widderkaninchen" lagen zwischen den "Stehohren" und Versuchskaninchen.  <imgcaption label5|Längen-Indices, nach Reuschel, 2018>{{ krankheiten:brachycephalie:rabbit_skull_length_index.png?250}}</imgcaption>Ermittelt wurden neben der "Schädellänge" (<imgref label4>) auch der "Längen-Index" als Quotient aus Gehirnschädellänge / Gesichtsschädellänge (<imgref label5>). In Bezug auf die Schädellänge hatten Kaninchen mit "Stehohren" den kürzesten und die Versuchskaninchen im Mittel den längsten Schädel. Die "Widderkaninchen" lagen zwischen den "Stehohren" und Versuchskaninchen. 
brachyzephalie.1766213186.txt.gz · Zuletzt geändert: von kathrin

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