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domestikation

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domestikation [2026/01/24 16:58] andreasdomestikation [2026/01/26 16:26] (aktuell) andreas
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 //Von den Sinnesorganen wird das [[sinne:sehen|Auge]] am stärksten von der Verkleinerung im Laufe der Domestikation betroffen. Der Gewichtsunterschied beträgt im Durchschnitt etwa 21 Prozent zugunsten des Wildtiers, ist also ungefähr ebenso groß wie beim Gehirn. Hat man Haus- und Wildtier nebeneinander, so fällt das große und lebhafte Auge des Wildkaninchens besonders auf; das kleinere Auge des Hauskaninchens erscheint matt dagegen. Die Farbe des Auges, d. h. der Regenbogenhaut, weicht beim Hauskaninchen vielfach von der des Wildtieres ab; es bestehen bestimmte Zusammenhänge zwischen Haar und Augenfarbe.//\\  //Von den Sinnesorganen wird das [[sinne:sehen|Auge]] am stärksten von der Verkleinerung im Laufe der Domestikation betroffen. Der Gewichtsunterschied beträgt im Durchschnitt etwa 21 Prozent zugunsten des Wildtiers, ist also ungefähr ebenso groß wie beim Gehirn. Hat man Haus- und Wildtier nebeneinander, so fällt das große und lebhafte Auge des Wildkaninchens besonders auf; das kleinere Auge des Hauskaninchens erscheint matt dagegen. Die Farbe des Auges, d. h. der Regenbogenhaut, weicht beim Hauskaninchen vielfach von der des Wildtieres ab; es bestehen bestimmte Zusammenhänge zwischen Haar und Augenfarbe.//\\ 
  
-//Ebenso wie das [[sinne:sehen|Sehvermögen]], so hat sich auch das Gehör beim Hauskaninchen verschlechtert. Beim äußeren Ohr ist die Entwicklung allerdings gerade in der umgekehrten Richtung gegangen wie beim Auge, es ist eine Vergrößerung eingetreten, die sogar bei einzelnen Rassen geradezu phantastische Formen angenommen hat. Während die Ohrlänge beim Wildkaninchen etwa 7 Zentimeter beträgt, geht sie bei den meisten zahmen Rassen weit darüber hinaus, die grotesken Hängeohren der Englischen Widderkaninchen (Abb. 20) erreichen eine Länge von 25 und mehr Zentimetern und eine Breite von 15 Zentimetern. Daß aber auch eine Zuchtwahl in der anderen Richtung nicht ohne Erfolg geblieben ist, beweisen uns die kurzen Ohren der Hermelinkaninchen, der kleinsten Kaninchenrasse (Abb. 21).//\\ +//Ebenso wie das [[sinne:sehen|Sehvermögen]], so hat sich auch das [[sinne:hoeren|Gehör]] beim Hauskaninchen verschlechtert. Beim äußeren Ohr ist die Entwicklung allerdings gerade in der umgekehrten Richtung gegangen wie beim Auge, es ist eine Vergrößerung eingetreten, die sogar bei einzelnen Rassen geradezu phantastische Formen angenommen hat. Während die Ohrlänge beim Wildkaninchen etwa 7 Zentimeter beträgt, geht sie bei den meisten zahmen Rassen weit darüber hinaus, die grotesken Hängeohren der Englischen Widderkaninchen (Abb. 20) erreichen eine Länge von 25 und mehr Zentimetern und eine Breite von 15 Zentimetern. Daß aber auch eine Zuchtwahl in der anderen Richtung nicht ohne Erfolg geblieben ist, beweisen uns die kurzen Ohren der Hermelinkaninchen, der kleinsten Kaninchenrasse (Abb. 21).//\\ 
  
-//Vermindert gegenüber dem Wildkaninchen ist beim Hauskaninchen auch das Geschmacksvermögen. Das zeigt sich in einer Verringerung der Zahl der Geschmacksknospen auf der Zunge.//\\ +//Vermindert gegenüber dem Wildkaninchen ist beim Hauskaninchen auch das [[sinne:schmecken|Geschmacksvermögen]]. Das zeigt sich in einer Verringerung der Zahl der Geschmacksknospen auf der Zunge.//\\ 
  
 //Die Veränderungen am Gehirn und an den Sinnesorganen führen auch zu Veränderungen am Schädel. Beim Wildkaninchen ist der Hirnschädel immer länger als der Gesichtsschädel. Beim Hauskaninchen gleicht sich dieser Unterschied mehr und mehr aus. Bei den großen Rassen ist das Verhältnis sogar umgekehrt. Auch die Schädelbreite ist beim Hauskaninchen relativ geringer als beim Wildkaninchen. Ein Vergleich der Schädel von Wild- und Hauskaninchen zeigt, daß bei dem Haustier die Schnauze sehr viel größer geworden ist, der Hirnschädel und sein Inhalt dagegen im Wachstum stark zurückgeblieben sind.//\\  //Die Veränderungen am Gehirn und an den Sinnesorganen führen auch zu Veränderungen am Schädel. Beim Wildkaninchen ist der Hirnschädel immer länger als der Gesichtsschädel. Beim Hauskaninchen gleicht sich dieser Unterschied mehr und mehr aus. Bei den großen Rassen ist das Verhältnis sogar umgekehrt. Auch die Schädelbreite ist beim Hauskaninchen relativ geringer als beim Wildkaninchen. Ein Vergleich der Schädel von Wild- und Hauskaninchen zeigt, daß bei dem Haustier die Schnauze sehr viel größer geworden ist, der Hirnschädel und sein Inhalt dagegen im Wachstum stark zurückgeblieben sind.//\\ 
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 //Sehr bemerkenswert ist der Unterschied im Herzgewicht, das beim Wildkaninchen durchschnittlich 37,5 Prozent höher ist. Die sonstige Körpermuskulatur verhält sich verschieden. Beim Wildtier stärker ausgebildet sind die besonders tätigen Gliedmaßenmuskeln, die ein Mehr an Muskelmasse von 3 bis 18 Prozent aufweisen."//.\\  //Sehr bemerkenswert ist der Unterschied im Herzgewicht, das beim Wildkaninchen durchschnittlich 37,5 Prozent höher ist. Die sonstige Körpermuskulatur verhält sich verschieden. Beim Wildtier stärker ausgebildet sind die besonders tätigen Gliedmaßenmuskeln, die ein Mehr an Muskelmasse von 3 bis 18 Prozent aufweisen."//.\\ 
  
-Die anatomischen Veränderungen und Haltung der Tiere im Zuge der Domestikation  führte auch zu Unterschieden des [[verhalten:verhalten|Verhaltens]] im Vergleich zum Wildkaninchen, die im Zusammenhang mit dem Überleben stehen wie z. B. dem Fluchtverhalten und dem Sichern der Umgebung Selzer, 2000((Selzer, D. 2000. Vergleichende Untersuchungen zum Verhalten von Wild- und Hauskaninchen unter verschiedenen Haltungsbedingungen. Gießen : Justus-Liebig-Univ., 2000. Diss.)), was als eine Folge des "Domestikationssyndroms" gesehen werden kann (Wilkins et al., 2014((Wilkins, A. S., Wrangham, R. W., & Fitch, W. T. (2014). The “domestication syndrome” in mammals: a unified explanation based on neural crest cell behavior and genetics. Genetics, 197(3), 795-808.))).\\ +Nach Price, 1984((Price, E. O. (1984). Behavioral aspects of animal domestication. The quarterly review of biology, 59(1), 1-32)) ist eine der wichtigsten Verhaltensänderungen im Zuge der Domestizierung die verringerte Reaktionsfähigkeit auf Umweltveränderungen. Die Bereitstellung von Nahrung und die Kontrolle des Menschen über die Fortpflanzung haben die Konkurrenz um wichtige Ressourcen verringert und somit die Selektion für den Erhalt jugendlicher Merkmale (Neotonie) ermöglicht. 
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 +Die anatomischen Veränderungen und Haltung der Tiere im Zuge der Domestikation  führte auch zu Unterschieden des [[verhalten:verhalten|Verhaltens]] im Vergleich zum Wildkaninchen, die im Zusammenhang mit dem Überleben stehen wie z. B. dem Fluchtverhalten und dem Sichern der Umgebung (Selzer, 2000((Selzer, D. 2000. Vergleichende Untersuchungen zum Verhalten von Wild- und Hauskaninchen unter verschiedenen Haltungsbedingungen. Gießen : Justus-Liebig-Univ., 2000. Diss.))), was als eine Folge des "Domestikationssyndroms" gesehen werden kann (Wilkins et al., 2014((Wilkins, A. S., Wrangham, R. W., & Fitch, W. T. (2014). The “domestication syndrome” in mammals: a unified explanation based on neural crest cell behavior and genetics. Genetics, 197(3), 795-808.))).\\ 
  
 Im Gegensatz zum Wildkaninchen als „Fluchttier“ sind für das Hauskaninchen Veränderungen vor allem im Schutz- und Verteidigungsverhalten eingetreten. Als wesentliche Ursache wurde auch von Kraft, 1976((Kraft, R. 1976. Vergleichende Verhaltensstudien an Wild- und Hauskaninchen. Erlangen : Universität, 1976. Dissertation)) die  Herabsetzung der Fluchtbereitschaft bei Hauskaninchen festgestellt. Die Veränderungen werden zudem beeinflusst durch die Zucht (Stolte, 1950((Stolte, H. A. (1950). Über Entwicklung und Vererbung des Temperaments wilder und domestizierter Kaninchen. N. Erg. Probl. Zool. Klatt-Festschr, 145, 980-999.))) und Aufzucht der Jungtiere (Marai & Rashwan, 2004((Marai, I. F. M., & Rashwan, A. A. (2004). Rabbits behavioural response to climatic and managerial conditions–a review. Archives Animal Breeding, 47(5), 469-482))).\\  Im Gegensatz zum Wildkaninchen als „Fluchttier“ sind für das Hauskaninchen Veränderungen vor allem im Schutz- und Verteidigungsverhalten eingetreten. Als wesentliche Ursache wurde auch von Kraft, 1976((Kraft, R. 1976. Vergleichende Verhaltensstudien an Wild- und Hauskaninchen. Erlangen : Universität, 1976. Dissertation)) die  Herabsetzung der Fluchtbereitschaft bei Hauskaninchen festgestellt. Die Veränderungen werden zudem beeinflusst durch die Zucht (Stolte, 1950((Stolte, H. A. (1950). Über Entwicklung und Vererbung des Temperaments wilder und domestizierter Kaninchen. N. Erg. Probl. Zool. Klatt-Festschr, 145, 980-999.))) und Aufzucht der Jungtiere (Marai & Rashwan, 2004((Marai, I. F. M., & Rashwan, A. A. (2004). Rabbits behavioural response to climatic and managerial conditions–a review. Archives Animal Breeding, 47(5), 469-482))).\\ 
domestikation.1769270326.txt.gz · Zuletzt geändert: von andreas

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