sinne:riechen
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| ====== Riechen ====== | ====== Riechen ====== | ||
| - | Kaninchen | + | Kaninchen |
| - | Kaninchen besitzen nach Kaetzke, et al., 2003 etwa 100 Millionen Riechzellen in den beiden Nasenmuscheln, | + | Kaninchen besitzen nach Kaetzke, et al., 2003((Kaetzke, J., Niedermeier, |
| - | Wenn sie gerade zur Welt gekommen sind, werden Kaninchen von einem besonderen Botenstoff zu den Zitzen ihrer Mutter gelockt – dem Pheromon 2MB2. Obwohl sie noch so gut wie taub und blind sind, finden sie in der kurzen Zeit, in der die Häsin zum Säugen an das Nest kommt, die Zitzen im Fell und trinken sich satt. Das Pheromon, welches ihnen dabei hilft, ist nur bei einer Art wirksam (artspezifisch). Nach Schaal, et al., 2003 wurde bei Ratten und Mäusen keine Wirksamkeit des Pheromons des Kaninchens festgestellt. | + | Wenn sie gerade zur Welt gekommen sind, werden Kaninchen von einem besonderen Botenstoff zu den Zitzen ihrer Mutter gelockt – dem Pheromon 2MB2. Obwohl sie noch so gut wie taub und blind sind, finden sie in der kurzen Zeit, in der die Häsin zum Säugen an das Nest kommt, die Zitzen im Fell und trinken sich satt. Das Pheromon, welches ihnen dabei hilft, ist nur bei einer Art wirksam (artspezifisch). Nach Schaal, et al., 2003((Schaal, B., et al. 2003. Chemical and behavioural characterization of the rabbit mammary pheromone. Nature. 2003, 424, S. 68-72)) |
| Über die Duftdrüsen in der Anal- und Leistenregion (Anal- und Inguinaldrüsen) werden Duftstoffe mit Signalcharakter abgegeben. Sie dienen der Territorialmarkierung, | Über die Duftdrüsen in der Anal- und Leistenregion (Anal- und Inguinaldrüsen) werden Duftstoffe mit Signalcharakter abgegeben. Sie dienen der Territorialmarkierung, | ||
| - | Weiterhin verfügt das Kaninchen über Drüsen am Kinn, die sich mit beginnender Geschlechtsreife herausbilden. Ranghöhere Männchen entwickeln größere Kinndrüsen als rangniedrigere und zwar unabhängig von Alter und Körpergewicht (Leicht, 1979). Außerdem verfügt das Kaninchen an der Nasenspitze über eine rudimentäre Drüse, die Hardersche Drüse (Tränendrüse), | + | Weiterhin verfügt das Kaninchen über Drüsen am Kinn, die sich mit beginnender Geschlechtsreife herausbilden. Ranghöhere Männchen entwickeln größere Kinndrüsen als rangniedrigere und zwar unabhängig von Alter und Körpergewicht (Leicht, 1979((Leicht, W. H. 1979. Tiere der offenen Kulturlandschaft. Feldhase, Wildkaninchen. Heidelberg : Quelle und Meyer, 1979. ISBN 3-494-00937-6))). Außerdem verfügt das Kaninchen an der Nasenspitze über eine rudimentäre Drüse, die Hardersche Drüse (Tränendrüse), |
| - | Zur Prüfung von Duftstoffen in der Luft " | + | Zur Prüfung von Duftstoffen in der Luft " |
| - | Der Geruchssinn dient auch der Nahrungsselektion. Niehaus, 1968 demonstrierte dies, indem er Kaninchen ein Futter mit verdorbenen Komponenten anbot. Die Tiere verschmähten die schlechten Bestandteile. | + | Der Geruchssinn dient auch der Nahrungsselektion. Niehaus, 1968((Niehaus, H. 1968. Zur Ernährungsphysiologie des Kaninchens. Arch. Geflügelzucht u. Kleintierkd. 1968, Bd. 17, S. 25-42)) |
| - | Wenn Jungtiere den Bau verlassen, bleiben sie zunächst in der Nähe des Eingangs. Mit der Zeit nehmen die Entfernungen zu, aber in bestimmten Abständen wird der Eingang zum Bau immer wieder aufgesucht. Später werden auch neue Wege getestet und die Erreichbarkeit des Baus durch Sprints getestet. | + | Wenn Jungtiere den Bau verlassen, bleiben sie zunächst in der Nähe des Eingangs. Mit der Zeit nehmen die Entfernungen zu, aber in bestimmten Abständen wird der Eingang zum Bau immer wieder aufgesucht. Später werden auch neue Wege getestet und die Erreichbarkeit des Baus durch Sprints getestet. In erster Linie prägen sich Kaninchen ihre Fluchtwege durch geruchliche (olfaktorische) Markierungen ein. Entlang der Wege werden markante Punkte wie Erhebungen, Steine und auch Pflanzen mit den Kinndrüsen markiert. Diese bilden gewissermaßen Gassen, welche durch Geruchsmarken erkannt werden. Kaninchen auf der Flucht werden immer die ver-trauten Wege nutzen. Veränderungen im Revier werden sofort registriert und immer vorsichtig erkundet. |
| - | In erster Linie prägen sich Kaninchen | + | Aufgrund ihrer Fähigkeit, eine große Zahl und auch Mischungen von Gerüchen zu unterscheiden, |
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| + | Für den „Gruppengeruch“ sind hauptsächlich dominante Männchen verantwortlich. Sie „markieren“ | ||
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| + | Bis zu einem Alter von 8 Tagen ist bei Kaninchen kein wahrnehmbarer Geruch aus den Inguinaldrüsen feststellbar. Wenn fremde Tiere in einer existierenden Gruppe erscheinen, werden sie vor allem von älteren, dominanten Männchen immer wieder „markiert“. Zu diesem Zweck werden auch jüngere Tiere in einer Form bestiegen, die auch „aufreiten“ genannt wird und in der Regel (in diesem Fall fälschlich) in einem sexuellen Zusammenhang gesehen wird. Tatsächlich werden die Tiere bei dieser Gelegenheit mit dem Sekret aus den Inguinaldrüsen versehen. Das sprichwörtliche „berammelt alles“ hat also nicht immer etwas mit dem Deckverhalten von Rammlern zu tun, sondern dient häufig der Markierung von Gruppenmitgliedern. Auf diese Weise werden fremde Tiere den Gruppenmitgliedern langsam vertraut und von diesen akzeptiert. | ||
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| + | Jungtiere beschränken ihren Aufenthalt im Territorium auf einen Bereich, der durch Geruchsmarken | ||
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| + | Experimente haben gezeigt, dass Jungtiere den Geruch der Anal-Drüse ihrer Mutter leichter akzeptieren als andere Gerüche. Auf Grund der Kenntnis des Geruchs der Mutter beschränken sie ihren Aufenthalt | ||
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| + | Weibchen akzeptieren den eigenen Nachwuchs, während andere Jungtiere der Gruppe oder Kolonie bedrängt | ||
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| + | In weiteren Versuchen wurde nachgewiesen, | ||
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| + | In den Revieren wird von allen Tieren an verschiedenen Stellen Kot hinterlassen. Das geschieht nicht immer wahllos, sondern dient unter anderem der Kommunikation der Tiere einer Gruppe untereinander. | ||
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| + | Kaninchen benutzen als „Kommunikationszentrum“ sogenannte „Latrinen“, | ||
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| + | Einige Kotplätze bzw. Latrinen befinden sich an den Reviergrenzen bestehender Gruppen. Sie zeigen fremden Tieren, dass ab dieser Grenze ein Bereich beginnt, der einer Gruppe gehört. Tiere, die zu dieser Gruppe gehören, kennen dagegen den Bereich, in dem sie relativ geschützt vor Angriffen gruppenfremder Tiere sind. | ||
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| + | Lang, 2009((Lang, C. (2009). Klinische und ethologische Untersuchungen zur Haltung wachsender Kaninchen (Doctoral dissertation, | ||
sinne/riechen.1774032316.txt.gz · Zuletzt geändert: von andreas
