„Als Confounder (auch: Störvariable) bezeichnet man in der Epidemiologie einen Faktor, der den interessierenden Endpunkt beeinflusst, zum Beispiel einen Risikofaktor für eine Erkrankung, und der gleichzeitig mit der interessierenden Einflussgröße (zum Beispiel Exposition) im Zusammenhang steht. Wird ein solcher Confounder in der Untersuchung nicht berücksichtigt, kann die Studie ein verzerrtes Ergebnis liefern. Eine solche Verzerrung, auch Bias genannt, könnte darin bestehen, dass ein bestehender Zusammenhang verwischt wird (sogenanntes „Negativ-Confounding“) oder dass ein tatsächlich nicht bestehender Zusammenhang vorgetäuscht wird (sogenanntes „Positiv-Confounding“). Mithilfe verschiedener Methoden lassen sich Confounder bei der Planung und Durchführung einer epidemiologischen Studie berücksichtigen.“ (BfS, 20261))
Eine beispielhafte Bewertung des Zusammenhangs zwischen Ohrform (Widderkaninchen) und Otitis unter besonderer Berücksichtigung von Confounding soll den Sachverhalt klarstellen.
Ergebnisse epidemiologischer Studien von Kirschbaum, 19942), Rheker, 20013), Langenecker et al., 20094), O'Neill et al., 20205) sowie O'Neill et al., 20246) aus der tierärztlichen Primärversorgung zeigen konsistent eine niedrige Prävalenz von Otitis bei Kaninchen von etwa 1 %. Ein substantieller Unterschied zwischen Widder- und Stehohrkaninchen ist dabei nicht erkennbar oder fällt – sofern vorhanden – gering aus.
Die Aussagekraft dieser Befunde ist jedoch hinsichtlich eines kausalen Zusammenhangs zwischen Ohrform und Otitis eingeschränkt. Alle betrachteten Studien basieren auf Routinedaten bzw. Querschnittserhebungen und erfassen primär Diagnosen, nicht jedoch die zugrunde liegenden kausalen Einflussfaktoren. Insbesondere werden zentrale, potenzielle Confounder nicht oder nur unzureichend berücksichtigt.
Zu den wichtigsten dieser Confounder zählen:
Vor dem Hintergrund dieser Faktoren ist davon auszugehen, dass ein erheblicher Anteil der beobachteten Otitisfälle durch solche unabhängigen Einflussgrößen erklärt werden kann. Dies ist insbesondere deshalb relevant, weil es sich bei Otitis um ein seltenes Outcome handelt (~1 %). In solchen Situationen kann bereits moderates Confounding durch häufige Erkrankungen wie Zahnerkrankungen den gesamten beobachteten Zusammenhang erklären.
Zusammenfassend lässt sich festhalten:
Für eine valide Beurteilung wäre eine analytische Studie erforderlich, die zentrale Einflussfaktoren wie Zahnerkrankungen, Ernährung, Haltung und Infektionsstatus systematisch erfasst und in einem kausalen Modell berücksichtigt.
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