(siehe auch Fellhaarfarbe und Fell)
Die Entwicklung der Haarfollikel beruht auf der Kommunikation zwischen verschiedenen Zelltypen. In diesem Prozess nehmen interzelluläre Signalmoleküle eine Schlüsselrolle ein; dazu gehören z.B. Wnt- (wingless INT) Proteine, BMPs (bone morphogenetic proteins), FGFs (fibroblast growth factors), SHH (Sonic hedgehog) oder Notch-Rezeptoren.
Ding et al., 20191) verglichen das Transkriptom von Hautgewebe kurz- (im Katagen befindlich) und langhaariger (im Anagen befindlich) Kaninchen. Sie ermittelten 951 unterschiedlich exprimierte Gene, welche die Haarfollikelentwicklung, bzw. die Haarlänge oder auch den Fettstoffwechsel regulieren könnten; außerdem sechs assoziierte Signalwege: ECM- (extracellular matrix) Rezeptor Interaktion, „Basalzellkarzinom“, Hedgehog, TGF-beta, Wnt und Notch. Alternatives Splicing und SNPs könnten zusätzlich beeinflussende Faktoren darstellen.
Cai et al., 20222) entdeckten einen möglichen Zusammenhang zwischen WIF1 (Wnt inhibitory factor 1; SNP in Promotorregion) und unterschiedlichen Haarlängen bei Kurz-, Normal-, und Langhaar.
Nicht-codierende RNAs (ncRNAs) werden nicht in Proteine übersetzt, sondern haben regulierende Funktionen. (siehe auch Epigenetik)
Andl & Botchkareva, 20153) – Allgemeiner Überblick
Chen et al., 20184) isolierten kleine RNAs (small RNAs, sRNAs) aus der Haut von Kaninchen mit langem (Angora) und kurzem (Rex) Fellhaar. Die meisten dieser RNAs waren zwischen 18 und 24 Nukleotiden (nt) lang. Anschließend identifizierten sie 118 microRNAs (miRNAs), die zwischen Angora und Rex unterschiedlich exprimiert wurden. Diese Ergebnisse ließen vermuten, dass miRNAs bei Kaninchen an der Entwicklung der Haarfollikel beteiligt sind. Eine der Kandidaten-miRNAs, miR-125a, wurde als Regulator der Wnt2-Expression identifiziert.
Ding et al., 20205) untersuchten miRNA-Profile in Hautgeweben von Angorakaninchen (Wan Strain), die sich in der Telogen- oder Anagen-Phase befanden. Sie identifizierten einige bereits bekannte sowie eine große Zahl neuer miRNAs, wobei 22-nt lange Sequenzen am häufigsten vertreten waren und 185 der miRNAs zwischen Telogen und Anagen signifikant unterschiedlich exprimiert wurden.
Die miRNAs „conservative_NC_013672.1_9290“ und „conservative_NC_013675.1_10734“ beeinflussten die Expression ihres vorhergesagten Zielgens FGF5.
Die von Ding et al., 20206) ermittelten sRNA-Profile mit unterschiedlichen Längenverteilungen zwischen Telogen und Anagen deuteten auf eine Beteiligung von PIWI-interacting RNAs (piRNAs, 30-nt) am Phasenübergang (Telogen – Anagen) der Haarfollikel hin.
Long non-coding RNAs (lncRNAs) sind RNA-Transkripte mit einer Länge von über 200 Nukleotiden. Ding et al., 20217) zeigten, dass lncRNAs potenziell die Dichte der Haarfollikel bei Angorakaninchen (Wan Strain) regulieren können. Die Zielgene der zwischen Kaninchen mit hoher oder niedriger Wollproduktion unterschiedlich exprimierten lncRNAs standen u.a. im Zusammenhang mit dem Fettstoffwechsel, dem intrazellulären JAK-STAT-, sowie dem SHH-Signalweg.
Ein erster systematischer Ansatz zur Untersuchung der regulatorischen und funktionellen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen ncRNAs und mRNAs über die verschiedenen Haarfollikelstadien hinweg wurde von Zhao et al., 201911) vorgestellt. Bei „Wanxi“-Angorakaninchen zeigten 111 lncRNAs, 247 circRNAs, 97 miRNAs und 1.168 mRNAs eine unterschiedliche Expression zwischen Anagen, Katagen und Telogen. Die Wechselwirkungen zwischen ncRNAs und mRNAs konnten mit der Entwicklung der Haut und der Haarfollikel sowie dem Haarzyklus assoziiert werden. Dabei würden mehrere Signalwege (Wnt, TGF-β, MAPK, JAK/STAT, Hedgehog, NF-κB) ein komplexes Netzwerk bilden.
Eines der für den Haarzyklus (Wnt-Signalweg) bedeutenden Gene war SIAH1, das eine Ubiquitinligase codiert.12) Einen weiteren Beleg dafür, dass SIAH1 die Entwicklung von Haut und Haarfollikeln (hemmend) beeinflusst, lieferten Zhou et al., 202013).
Wu et al., 202514) bestimmten die Haarfollikelstadien von Rex-Kaninchen im Alter von 3 bis 5,5 Monaten. Für die Charakterisierung molekularer Mechanismen wurden Hautproben ausgewählt, welche die morphologischen Merkmale von Anagen (4 Monate), Katagen (5 Monate) und Telogen (5,5 Monate) widerspiegelten.
Zusammenfassend konnte gezeigt werden, dass sich die Expressionsprofile codierender und nicht-codierender RNAs während der Reifung des Fellhaars dynamisch verändern und in engem Zusammenhang mit der Regulation des Haarzyklus stehen.
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