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fuetterung:geschichte

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 Im Laufe der Zeit hat sich die Fütterung der Kaninchen stark verändert. Einen bedeutenden Einschnitt stellte die Einführung von industriellen Mischfuttermitteln dar. Diese kamen anfangs noch als Grundfutter ohne Beimischungen, später mit zusätzlichen Vitamin- und Mineralzusätzen auf den Markt. Bis dahin wurden Kaninchen noch überwiegend mit natürlichen Futtermitteln ernährt.\\ Im Laufe der Zeit hat sich die Fütterung der Kaninchen stark verändert. Einen bedeutenden Einschnitt stellte die Einführung von industriellen Mischfuttermitteln dar. Diese kamen anfangs noch als Grundfutter ohne Beimischungen, später mit zusätzlichen Vitamin- und Mineralzusätzen auf den Markt. Bis dahin wurden Kaninchen noch überwiegend mit natürlichen Futtermitteln ernährt.\\
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-Aus eigener Erfahrung kennt der Autor [A. R.] die Kaninchenhaltung der Großeltern auf dem Dorf in Ställen. Die Kaninchen wurden für den eigenen Bedarf in Ställen gehalten und zu besonderen Anlässen geschlachtet. Im Sommer wurden sie auf umzäunte Wiesenstücke gesetzt. Die Ernährung erfolgte von Frühjahr bis Herbst zum größten Teil mit frischem Grün von der Wiese, welches vom eigenen Grundstück oder umliegenden Feldern und Wiesen gesammelt wurde. Ergänzt wurde es mit Resten aus der Küche wie gedämpften (gekochten) Kartoffeln, Kartoffelschalen, dem Grün vom Gemüse, Gemüseresten, Getreide und Kleien von Bauern mit Schweine- oder Großviehhaltung sowie Stroh und Heu. Von Rohfasergehalten und Krankheiten war, zumindest meinen Großeltern, damals so gut wie nichts bekannt. Für sie stellten die Kaninchen einen großen Wert dar - dementsprechend war es gern gesehen, wenn sich auch die Enkel an der kostenlosen Verpflegung der Tiere mit frischem Grün beteiligten.\\ +Aus eigener Erfahrung kennt der Autor [A. R.] die Kaninchenhaltung der Großeltern auf dem Dorf in Ställen. Die Kaninchen wurden für den eigenen Bedarf in Ställen gehalten und zu besonderen Anlässen geschlachtet. Im Sommer wurden sie auf umzäunte Wiesenstücke gesetzt. Die Ernährung erfolgte von Frühjahr bis Herbst zum größten Teil mit frischem Grün von der Wiese, welches vom eigenen Grundstück oder umliegenden Feldern und Wiesen gesammelt wurde. Ergänzt wurde es mit Resten aus der Küche wie gedämpften (gekochten) Kartoffeln, Kartoffelschalen, dem Grün vom Gemüse, Gemüseresten, Getreide und Kleien von Bauern mit Schweine- oder Großviehhaltung sowie Stroh und Heu. Von Rohfasergehalten und Krankheiten war, zumindest meinen Großeltern, damals so gut wie nichts bekannt. Für sie stellten die Kaninchen einen großen Wert dar -- dementsprechend war es gern gesehen, wenn sich auch die Enkel an der kostenlosen Verpflegung der Tiere mit frischem Grün beteiligten.\\ 
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 Im 17. Jahrhundert ernährten sich frei- oder in Gehegen lebende Kaninchen von frischem Grünfutter, nur im Winter wurden sie hauptsächlich mit Heu, Stroh, Weidenzweigen, Hafer, (Weizen-)Kleie, Kohl, Möhren und Rüben zugefüttert.((van Dam, P. J. E. M. 2007. Ein Neubürger in Nordeuropa. Menschliche und natürliche Einflüsse auf die Assimilierung des Kaninchens in den Niederländischen Dünen 1300-1700. [Hrsg.] B. Herrmann. Beiträge zum Göttinger Umwelthistorischen Kolloquium 2004-2006. Göttingen : Universitätsverlag, 2007.))\\  Im 17. Jahrhundert ernährten sich frei- oder in Gehegen lebende Kaninchen von frischem Grünfutter, nur im Winter wurden sie hauptsächlich mit Heu, Stroh, Weidenzweigen, Hafer, (Weizen-)Kleie, Kohl, Möhren und Rüben zugefüttert.((van Dam, P. J. E. M. 2007. Ein Neubürger in Nordeuropa. Menschliche und natürliche Einflüsse auf die Assimilierung des Kaninchens in den Niederländischen Dünen 1300-1700. [Hrsg.] B. Herrmann. Beiträge zum Göttinger Umwelthistorischen Kolloquium 2004-2006. Göttingen : Universitätsverlag, 2007.))\\ 
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 Als Beweis für die Genügsamkeit des Kaninchens berichtete Felden über Versuche, die er „//ausschließlich mit Grünem, und zwar mit Gras, selten mit Klee oder anderem Grün//“ durchgeführt hatte und in denen nur säugende Häsinnen zusätzlich täglich abwechselnd trockene Kleie und wenig Milch mit Brot bekamen. Mit dieser Fütterung erkrankten oder starben weder ausgewachsene, noch Jungtiere.\\  Als Beweis für die Genügsamkeit des Kaninchens berichtete Felden über Versuche, die er „//ausschließlich mit Grünem, und zwar mit Gras, selten mit Klee oder anderem Grün//“ durchgeführt hatte und in denen nur säugende Häsinnen zusätzlich täglich abwechselnd trockene Kleie und wenig Milch mit Brot bekamen. Mit dieser Fütterung erkrankten oder starben weder ausgewachsene, noch Jungtiere.\\ 
  
-<imgcaption label4|"Nutzbringende Kaninchenzucht" von Schneider, J.; 1944>{{ fuetterung:schneider.png?150}}</imgcaption>Schneider, 1911((SchneiderJ. 1911. Nutzbringende Kaninchenzucht. Leipzig : Hachmeister & Thal, 1911.)) unterschied drei Fütterungsarten: +(Schwarztrauber1940beschrieb die Situation im Ersten Weltkrieg 1914 1918als Scharen von Kindern auf Grünmärkten Jagd auf Abfälle machten und alles erreichbare Grünfutter aus Gärten, von Bahndämmen sowie öffentlichen Anlagen und Wegen sammelten und in Säcke stopften.
-  - die Trockenfütterung, die nur bei der Mast angewendet wird (mit Hafer, Heu, Brot und gewerblichen Abfällen sowie Wasser) +
-  die gemischte Fütterung (besteht neben den obigen Komponenten weiterhin aus "//allerhand GrünzeugKnollen und Rüben//" +
-  - die "//Grünfütterung"//.\\  +
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-Der Übergang im Frühjahr von Heu auf Grünfutter sollte nach Schneiders Darstellung langsam erfolgen: ein Handvoll für den ersten Tag, den folgenden Tag zwei Hände voll, nach acht Tagen das doppelte, wobei entsprechend das Trockenfutter reduziert wird. Das Grünfutter sollte abwechslungsreich aus einer Mischung von süßen GräsernLöwenzahn, Spitzwegerich, Weißklee, Gras und Wicken bestehen, da diese den Tieren sehr bekömmlich sind. Ab Mitte Juni könne der Rotklee ohne Schaden verfüttert werden. Für die Herbst- und Winterfütterung wurde die Anpflanzung von Kohl, Rüben, Kohlrabi, Runkeln, Möhren und Topinambur empfohlen. Außerdem gibt es dann Gartenabfälle (Laub von Erbsen und Bohnen) sowie Kohlblätter (Wirsing, Butterkohl), weiterhin Un- und Gewürzkräuter wie Petersilie, Sellerie usw. zur Abwechslung. Von Mai bis Oktober besteht das Hauptfutter aber in Wiesengras, Klee und Kohlblättern - fast alle Erzeugnisse von Garten und Feld können verwendet werden - vor allem ein Gemisch aus Gerste, Roggen, Hafer, Wicken, Luzerne, Serradella und Kleearten liefert ein sehr nahrhaftes Futter, welches auch selbst angebaut werden kann.\\ +
  
 Als Grünfutter war nach Wulf, 1921((Wulf, A. 1921. Taschenbuch der Kleinhaustiere (Federvieh, Kaninchen, Meerschweinchen, Ziegen, Schafe und Schweine). Eßlingen, München : Schreiber, 1921.)) folgendes zu benutzen: "//frischgeschnittenes Gras oder Klee, Löwenzahn, Wegerich, Vogelmiere, Schafgarbe, junge Brennesseln, ferner Zweige von Weißdorn, der Akazie und von Obstbäumen. Salat-, Kohl- und Rübenblätter gebe man nur mäßig, da sie leichte Koliken verursachen. Grünkohl (Braunkohl) ist ein besonders beliebtes, leicht anzuziehendes Wintergrünfutter. Hat man keinen solchen, so ist man auf Knollengemüse (Runkeln, Zuckerrüben, Kohlrübenm, Mohrrüben) angewiesen, die sich im Keller im Sand oder im Garten eingelegt und mit Strohmatten bedeckt gut halten. [...] Küchenkräuter werden gern genommen und regen die Freßlust an, doch sei man mit Zwiebelgewächsen vorsichtig. Giftig wirken Schierling, Hahnenfuß und alle Nachtschattenarten, somit auch Kartoffelkraut. Ist reichlich Grünfutter da, so lassen die Tiere Giftpflanzen von selbst liegen.//".\\  Als Grünfutter war nach Wulf, 1921((Wulf, A. 1921. Taschenbuch der Kleinhaustiere (Federvieh, Kaninchen, Meerschweinchen, Ziegen, Schafe und Schweine). Eßlingen, München : Schreiber, 1921.)) folgendes zu benutzen: "//frischgeschnittenes Gras oder Klee, Löwenzahn, Wegerich, Vogelmiere, Schafgarbe, junge Brennesseln, ferner Zweige von Weißdorn, der Akazie und von Obstbäumen. Salat-, Kohl- und Rübenblätter gebe man nur mäßig, da sie leichte Koliken verursachen. Grünkohl (Braunkohl) ist ein besonders beliebtes, leicht anzuziehendes Wintergrünfutter. Hat man keinen solchen, so ist man auf Knollengemüse (Runkeln, Zuckerrüben, Kohlrübenm, Mohrrüben) angewiesen, die sich im Keller im Sand oder im Garten eingelegt und mit Strohmatten bedeckt gut halten. [...] Küchenkräuter werden gern genommen und regen die Freßlust an, doch sei man mit Zwiebelgewächsen vorsichtig. Giftig wirken Schierling, Hahnenfuß und alle Nachtschattenarten, somit auch Kartoffelkraut. Ist reichlich Grünfutter da, so lassen die Tiere Giftpflanzen von selbst liegen.//".\\ 
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 //"Morgens empfiehlt der Verfasser Haferflocken (oats) und Weizen, mit saisonmäßigem Grünfutter, des Abends Heu mit noch mehr Grünfutter."// (Smith, E. Bostock. 1927. Rabbits for Fur and Wool. "The Feathered World" Year Book for 1927. pp. 102-114. London.((Möbes, W. K. G. 1946. Bibliographie des Kaninchens nebst Anhang. I. Das Frettchen. II. Das Meerschweinchen. Bd. 1. Akademischer Verlag Halle.)), S. 170)\\  //"Morgens empfiehlt der Verfasser Haferflocken (oats) und Weizen, mit saisonmäßigem Grünfutter, des Abends Heu mit noch mehr Grünfutter."// (Smith, E. Bostock. 1927. Rabbits for Fur and Wool. "The Feathered World" Year Book for 1927. pp. 102-114. London.((Möbes, W. K. G. 1946. Bibliographie des Kaninchens nebst Anhang. I. Das Frettchen. II. Das Meerschweinchen. Bd. 1. Akademischer Verlag Halle.)), S. 170)\\ 
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 +<imgcaption label4|"Nutzbringende Kaninchenzucht" von Schneider, J.; 1930>{{ fuetterung:schneider.png?150}}</imgcaption>Schneider, 1930((Schneider, J. 1930. Nutzbringende Kaninchenzucht. Leipzig : Hachmeister & Thal)) unterschied drei Fütterungsarten:
 +  - die Trockenfütterung, die nur bei der Mast angewendet wird (mit Hafer, Heu, Brot und gewerblichen Abfällen sowie Wasser)
 +  - die gemischte Fütterung (besteht neben den obigen Komponenten weiterhin aus "//allerhand Grünzeug, Knollen und Rüben//"
 +  - die "//Grünfütterung"//.\\ 
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 +Der Übergang im Frühjahr von Heu auf Grünfutter sollte nach Schneiders Darstellung langsam erfolgen: ein Handvoll für den ersten Tag, den folgenden Tag zwei Hände voll, nach acht Tagen das doppelte, wobei entsprechend das Trockenfutter reduziert wird. Das Grünfutter sollte abwechslungsreich aus einer Mischung von süßen Gräsern, Löwenzahn, Spitzwegerich, Weißklee, Gras und Wicken bestehen, da diese den Tieren sehr bekömmlich sind. Ab Mitte Juni könne der Rotklee ohne Schaden verfüttert werden. Für die Herbst- und Winterfütterung wurde die Anpflanzung von Kohl, Rüben, Kohlrabi, Runkeln, Möhren und Topinambur empfohlen. Außerdem gibt es dann Gartenabfälle (Laub von Erbsen und Bohnen) sowie Kohlblätter (Wirsing, Butterkohl), weiterhin Un- und Gewürzkräuter wie Petersilie, Sellerie usw. zur Abwechslung. Von Mai bis Oktober besteht das Hauptfutter aber in Wiesengras, Klee und Kohlblättern - fast alle Erzeugnisse von Garten und Feld können verwendet werden - vor allem ein Gemisch aus Gerste, Roggen, Hafer, Wicken, Luzerne, Serradella und Kleearten liefert ein sehr nahrhaftes Futter, welches auch selbst angebaut werden kann.\\ 
  
 A. Will lieferte 1931((Will, A., & Kerschagl, W. 1931. Die Kaninchenzucht der Gegenwart. Mit einem Anhange: Krankheiten des Kaninchens. München: Mayer. (Der Deutsche Pelztierzüchter).)) folgenden Hinweis: //"Das Fütterungsproblem besteht nun darin, das Futter so zusammenzustellen, daß es in seiner Gesamtheit diejenigen Stoffe enthält, die das Tier unbedingt benötigt. […]\\  A. Will lieferte 1931((Will, A., & Kerschagl, W. 1931. Die Kaninchenzucht der Gegenwart. Mit einem Anhange: Krankheiten des Kaninchens. München: Mayer. (Der Deutsche Pelztierzüchter).)) folgenden Hinweis: //"Das Fütterungsproblem besteht nun darin, das Futter so zusammenzustellen, daß es in seiner Gesamtheit diejenigen Stoffe enthält, die das Tier unbedingt benötigt. […]\\ 
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 <imgcaption label6|"Die zeitgemäße Kaninchenfütterung" von Martin Gadsch aus dem Jahr 1944>{{ fuetterung:gadsch.png?150}}</imgcaption>Von Gadsch, 1944((Gadsch, W. 1944. Die zeitgemäße Kaninchenfütterung. Berlin : Pfenningstorff, 1944.)) wurden als Unkräuter für die Kaninchenfütterung Hasenkohl (Gemeiner Rainkohl), Hirtentäschelkraut, Klebkraut, Klette, Ochsenzunge, Schöllkraut, Spörgel (Spark), Hahnenfuß, Brennnessel, Rainfarn, Beifuß, Ackerdistel, Kälberkropf, Hundskamille, Bienen-saug (Weiße Taubnessel), Frühlingskreuzkraut (Sencio vernalis), Gänsefingerkraut und  Grindampfer (Stumpfblättriger Ampfer) aufgeführt.\\  <imgcaption label6|"Die zeitgemäße Kaninchenfütterung" von Martin Gadsch aus dem Jahr 1944>{{ fuetterung:gadsch.png?150}}</imgcaption>Von Gadsch, 1944((Gadsch, W. 1944. Die zeitgemäße Kaninchenfütterung. Berlin : Pfenningstorff, 1944.)) wurden als Unkräuter für die Kaninchenfütterung Hasenkohl (Gemeiner Rainkohl), Hirtentäschelkraut, Klebkraut, Klette, Ochsenzunge, Schöllkraut, Spörgel (Spark), Hahnenfuß, Brennnessel, Rainfarn, Beifuß, Ackerdistel, Kälberkropf, Hundskamille, Bienen-saug (Weiße Taubnessel), Frühlingskreuzkraut (Sencio vernalis), Gänsefingerkraut und  Grindampfer (Stumpfblättriger Ampfer) aufgeführt.\\ 
  
-Joppich, 1946((Joppich, F. 1946. Kaninchen. Zucht und Haltung. Berlin : Deutscher Zentralverlag GmbH, 1946.)) führte folgende Futtermittel für die Kaninchenzucht auf:  +<imgcaption label7|"Kaninchen. Zucht und Haltung" von Friedrich Joppich aus dem Jahr 1946>{{ fuetterung:joppich.png?150}}</imgcaption>Joppich, 1946((Joppich, F. 1946. Kaninchen. Zucht und Haltung. Berlin : Deutscher Zentralverlag GmbH, 1946.)) führte folgende Futtermittel für die Kaninchenzucht auf:  
-  * pflanzliche Abfälle aus den Haushalt (Gemüsereste, Kartoffelschalen)+  * pflanzliche Abfälle aus dem Haushalt (Gemüsereste, Kartoffelschalen)
   * Unkräuter aller Art wie Brennnesseln, Wegerich, Quecke, Melde, Ackerdistel, Franzosenkraut usw.   * Unkräuter aller Art wie Brennnesseln, Wegerich, Quecke, Melde, Ackerdistel, Franzosenkraut usw.
   * Gartenabfälle wie Möhrenkraut, Kohlrabi-, Kohl- und Rübenblätter, Erbsen- und Bohnenkraut sowie Strünke aller Art   * Gartenabfälle wie Möhrenkraut, Kohlrabi-, Kohl- und Rübenblätter, Erbsen- und Bohnenkraut sowie Strünke aller Art
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   * als Kraftfutter Hafer, Gerste und Kleie.\\    * als Kraftfutter Hafer, Gerste und Kleie.\\ 
  
-<imgcaption label7|"Kaninchen. Zucht und Haltung" von Friedrich Joppich aus dem Jahr 1946>{{ fuetterung:joppich.png?150}}</imgcaption>(Schwarztrauber, 1940) beschrieb die Situation im Ersten Weltkrieg 1914 - 1918, als Scharen von Kindern auf Grünmärkten Jagd auf Abfälle machten und alles erreichbare Grünfutter aus Gärten, von Bahndämmen sowie öffentlichen Anlagen und Wegen sammelten und in Säcke stopften.\\  +Zum Grundfutter fasste Schürch, 1949((Schürch, A. 1949. Die theoretischen Grundlagen der Kaninchenfütterung. Schweizerische landwirtschaftliche Monatshefte. 1949, 1, S. 41-65.)) betriebseigene Futterstoffe, die in größeren Mengen und billig zur Verfügung standen wie Heu, Grünfutter, Silage, Haushaltabfälle, Hackfrüchte usw. zusammen, die aus wirtschaftlichen und Bedarfsgründen mit Kraftfutter ergänzt werden konnten. Aus seiner Sicht gestaltete sich die Aufstellung von Rationen im Sommer am einfachsten, weil als wichtigstes Grundfutter Grünfutter zur Verfügung steht, welches den Bedarf des Kaninchens weitgehend deckt. Einzig für säugende Häsinnen und für Jungtiere sollte das Grünfutter neben kleinen Mengen Heu auch mit Kraftfutter ergänzt werden. Im Winter sei die Rationsgestaltung schwieriger, da z. B. mittelgutes Wiesenheu nicht einmal den Erhaltungsbedarf ausgewachsener Tiere decken kann. Deshalb müsse es durch betriebseigene Futtermittel wie Silage, Rüben, Kartoffeln und Haushaltsabfällen, außerdem ggf. durch Kraftfutter ergänzt werden.\\ 
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-Zum Grundfutter fasste Schürch, 1949((Schürch, A. 1949. Die theoretischen Grundlagen der Kaninchenfütterung. Schweizerische landwirtschaftliche Monatshefte. 1949, 1, S. 41-65.)) betriebseigene Futterstoffe, die in größeren Mengen und billig zur Verfügung standen wie Heu, Grünfutter, Silage, Haushaltabfälle, Hackfrüchte usw. zusammen, die aus wirtschaftlichen und Bedarfsgründen mit Kraftfutter ergänzt werden konnten. Aus seiner Sicht gestaltete sich die Aufstellung von Rationen im Sommer am einfachsten, weil als wichtigstes Grundfutter Grünfutter zur Verfügung steht, welches den Bedarf des Kaninchens weitgehend deckt. Einzig für säugende Häsinnen und für Jungtiere sollte das Grünfutter neben kleinen Mengen Heu auch mit Kraftfutter ergänzt werden. Im Winter sei die Rationsgestaltung schwieriger, da z. B. mittelgutes Wiesenheu nicht einmal der Erhaltungsbedarf ausgewachsener Tiere decken kann. Deshalb müsse es durch betriebseigene Futtermittel wie Silage, Rüben, Kartoffeln und Haushaltsabfällen, außerdem ggf. durch Kraftfutter ergänzt werden.\\ +
  
 <imgcaption label8|aus "Die theoretischen Grundlagen der Kaninchenfütterung" von Schürch, 1949>{{ fuetterung:schürch.png?150}}</imgcaption>Beispiel einer Winterration nach Schürch, 1949 für ein 3,5kg Tier, mit der es über eine längere Periode bei gleichbleibendem Gewicht erhalten werden kann (Erhaltungsbedarf):\\  <imgcaption label8|aus "Die theoretischen Grundlagen der Kaninchenfütterung" von Schürch, 1949>{{ fuetterung:schürch.png?150}}</imgcaption>Beispiel einer Winterration nach Schürch, 1949 für ein 3,5kg Tier, mit der es über eine längere Periode bei gleichbleibendem Gewicht erhalten werden kann (Erhaltungsbedarf):\\ 
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 1 Teil mittelgutes Heu ließe sich durch 2 - 3 Teile Grünfuttersilage, mit Kleie vermischt, ersetzen. Die Grundration bestand also aus relativ energiereichem und natürlichem Futter - ergänzt durch Raufutter wie Heu.\\  1 Teil mittelgutes Heu ließe sich durch 2 - 3 Teile Grünfuttersilage, mit Kleie vermischt, ersetzen. Die Grundration bestand also aus relativ energiereichem und natürlichem Futter - ergänzt durch Raufutter wie Heu.\\ 
  
-Mangold und Fangauf gaben 1950((Mangold, E. und Fangauf, R. 1950. Handbuch der Kaninchenfütterung. Radebeul : Neumann Verlag GmbH, 1950.)) die tägliche Verzehrmenge von Heu je Kaninchen und Tag, nach Jahreszeit und nach dem übrigen Futter mit 0 - 150 g an: der durchschnittliche Verzehr lag im Sommer bei 10 g, im Frühjahr und Herbst bei 50 g und im Winter bei 100 g. Maximale Mengen von 150 g werden aufgenommen, wenn Saft- und Kraftfutter rationiert angeboten werden. Das Grünfutter wurde als das //naturgemäßeste// und in den Sommermonaten als das //Hauptfutter// bezeichnet. Für die Winterfütterung rückten Saft- und Raufutter in den Vordergrund. Als Saftfutter wurde Löwenzahn, zarteste Grasspitzen, das Gras- und Krautgemisch von Wegesrändern über Kohlblätter und -strünke bis hin zu Rüben und Sauerfutter verstanden - deshalb auch dafür die Bezeichnung Grundfutter. Die täglich aufgenommenen Saftfuttermengen bei [[allgemeines:ad_libitum|ad-libitum]]-Fütterung können für ein Tier einer kleinen Rasse 300 g, mittlerer Rassen 600 g und für Tiere großer Rassen 900 g betragen.\\ +Mangold und Fangauf gaben 1950((Mangold, E. und Fangauf, R. 1950. Handbuch der Kaninchenfütterung. Radebeul : Neumann Verlag GmbH, 1950.)) die tägliche Verzehrmenge von Heu je Kaninchen und Tag, nach Jahreszeit und nach dem übrigen Futter mit 0 - 150 g an: der durchschnittliche Verzehr lag im Sommer bei 10 g, im Frühjahr und Herbst bei 50 g und im Winter bei 100 g. Maximale Mengen von 150 g werden aufgenommen, wenn Saft- und Kraftfutter rationiert angeboten werden. Das Grünfutter wurde als das //naturgemäßeste// und in den Sommermonaten als das //Hauptfutter// bezeichnet. Für die Winterfütterung rückten Saft- und Raufutter in den Vordergrund. Als Saftfutter wurde Löwenzahn, zarteste Grasspitzen, das Gras- und Krautgemisch von Wegesrändern über Kohlblätter und -strünke bis hin zu Rüben und Sauerfutter verstanden -- deshalb auch dafür die Bezeichnung Grundfutter. Die täglich aufgenommenen Saftfuttermengen bei [[allgemeines:ad_libitum|ad-libitum]]-Fütterung können für ein Tier einer kleinen Rasse 300 g, mittlerer Rassen 600 g und für Tiere großer Rassen 900 g betragen.\\ 
  
-Brandsch, 1968((Brandsch, H. 1968. Die Broiler-Kaninchen-Mast – ein industriemäßiger Produktionszweig. Monatshefte für Veterinärmedizin. 1968, Bd. 23, 4, S. 139-142.)) stellte fest, dass die Kaninchenzucht und -mast auf Grundlage einer Abfallverwertung von Haus- und Gartenabfällen keine intensive Haltungsform sein kann und Fütterungsmethoden der Kriegs- und Nachkriegsjahre der Vergangenheit angehören sollten. An ihre Stelle sollte ein systematischer Garten-Futterbau treten - effektiv ergänzt durch ein Kraftfutter.\\ +Brandsch, 1968((Brandsch, H. 1968. Die Broiler-Kaninchen-Mast – ein industriemäßiger Produktionszweig. Monatshefte für Veterinärmedizin. 1968, Bd. 23, 4, S. 139-142.)) stellte fest, dass die Kaninchenzucht und -mast auf Grundlage einer Abfallverwertung von Haus- und Gartenabfällen keine intensive Haltungsform sein kann und Fütterungsmethoden der Kriegs- und Nachkriegsjahre der Vergangenheit angehören sollten. An ihre Stelle sollte ein systematischer Garten-Futterbau treten -- effektiv ergänzt durch ein Kraftfutter.\\ 
  
 Nach Niehaus, 1968((Niehaus, H. 1968. Zur Ernährungsphysiologie des Kaninchens. Arch. Geflügelzucht u. Kleintierkd. 1968, Bd. 17, S. 25-42.)) bestand die frühere Fütterung von Kaninchen aus wirtschaftseigenen und Abfallfutterstoffen wie Grünfutter, Saftfutter und Heu mit Zugaben von Weichfutter und Getreidekörnern.\\  Nach Niehaus, 1968((Niehaus, H. 1968. Zur Ernährungsphysiologie des Kaninchens. Arch. Geflügelzucht u. Kleintierkd. 1968, Bd. 17, S. 25-42.)) bestand die frühere Fütterung von Kaninchen aus wirtschaftseigenen und Abfallfutterstoffen wie Grünfutter, Saftfutter und Heu mit Zugaben von Weichfutter und Getreidekörnern.\\ 
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 Dorn, 1973((Dorn, F. K. 1973. Rassekaninchenzucht: ein Handbuch für Züchter, Zuchtrichter und Studierende. 3., überarb. Aufl. Melsungen : Neumann-Neudamm, 1973.)) verwies auf die Schwierigkeit, Ratschläge für die Fütterung zu erteilen, da das Futter noch vorwiegend aus Küchen- und Gartenabfällen bestünde. Unter den Futtermitteln stand für ihn das Grünfutter an erster Stelle, weil auf Grund des hohen Nährstoffgehaltes das Kaninchen in Zuchtruhe seinen Erhaltungsbedarf allein aus diesem zu decken vermag. Als weitere, zusätzliche Futtermittel wurden u. a. Raufutter (Heu aus Klee, Leguminosen und Laub), Wurzeln und Knollen (Kartoffeln, Rüben, Topinambur), Getreide (Hafer, Gerste, Weizen, Roggen und Mais) Hülsenfrüchte, Eicheln und Kastanien, ölhaltige Samen (Leinsamen, Sonnenblumenkerne), Kleien, Trockenfutter (gekörntes Pressfutter) und Sauerfutter (Silage) aufgeführt.\\  Dorn, 1973((Dorn, F. K. 1973. Rassekaninchenzucht: ein Handbuch für Züchter, Zuchtrichter und Studierende. 3., überarb. Aufl. Melsungen : Neumann-Neudamm, 1973.)) verwies auf die Schwierigkeit, Ratschläge für die Fütterung zu erteilen, da das Futter noch vorwiegend aus Küchen- und Gartenabfällen bestünde. Unter den Futtermitteln stand für ihn das Grünfutter an erster Stelle, weil auf Grund des hohen Nährstoffgehaltes das Kaninchen in Zuchtruhe seinen Erhaltungsbedarf allein aus diesem zu decken vermag. Als weitere, zusätzliche Futtermittel wurden u. a. Raufutter (Heu aus Klee, Leguminosen und Laub), Wurzeln und Knollen (Kartoffeln, Rüben, Topinambur), Getreide (Hafer, Gerste, Weizen, Roggen und Mais) Hülsenfrüchte, Eicheln und Kastanien, ölhaltige Samen (Leinsamen, Sonnenblumenkerne), Kleien, Trockenfutter (gekörntes Pressfutter) und Sauerfutter (Silage) aufgeführt.\\ 
  
-In den 1980er Jahren nahm die Heimtierhaltung in der DDR in den industriellen Ballungsgebieten zu - ca. 15 Jahre später als in der BRD. Vor allem Zwergkaninchen wurden auf Grund ihrer (angenommenen) geringen Bedürfnisse in Wohnungen und auf Balkonen gehalten. Mit der Entwicklung der Mischfuttermittel bestand die Notwendigkeit, den Nährstoffbedarf (Proteine, Fette, Vitamine, Rohfaser etc.) des Kaninchens genau zu bestimmen, um die Tiere mit industriell hergestelltem Futter "optimal" versorgen zu können. Diese Futtermittel haben den Vorteil, dass der Halter bzw. Züchter sich nicht mehr um das Berechnen von Rationen kümmern musste. Die Zusammensetzung ist stets gleich und die Tiere können keine Bestandteile selektieren. Außerdem kann das Futter über Automaten genau dosiert und regelmäßig ohne größeren Aufwand gefüttert werden. Letztlich sind z. B. die Pellets auch ein Segen für Betriebswirtschaftler und Logistiker auf Grund der platzsparenden Verpackungen und dem Fakt, das auf Grund des fehlenden Wasser das Gewicht des Futters bei gleichem Nährstoffgehalt niedriger ist.\\ +In den 1980er Jahren nahm die Heimtierhaltung in der DDR in den industriellen Ballungsgebieten zu -- ca. 15 Jahre später als in der BRD. Vor allem Zwergkaninchen wurden auf Grund ihrer (angenommenen) geringen Bedürfnisse in Wohnungen und auf Balkonen gehalten. Mit der Entwicklung der Mischfuttermittel bestand die Notwendigkeit, den Nährstoffbedarf (Proteine, Fette, Vitamine, Rohfaser etc.) des Kaninchens genau zu bestimmen, um die Tiere mit industriell hergestelltem Futter "optimal" versorgen zu können. Diese Futtermittel haben den Vorteil, dass der Halter bzw. Züchter sich nicht mehr um das Berechnen von Rationen kümmern musste. Die Zusammensetzung ist stets gleich und die Tiere können keine Bestandteile selektieren. Außerdem kann das Futter über Automaten genau dosiert und regelmäßig ohne größeren Aufwand gefüttert werden. Letztlich sind z. B. die Pellets auch ein Segen für Betriebswirtschaftler und Logistiker auf Grund der platzsparenden Verpackungen und dem Fakt, dass auf Grund des fehlenden Wassers das Gewicht des Futters bei gleichem Nährstoffgehalt niedriger ist.\\ 
  
 Ursprüngliche Daten für die Ernährung von Kaninchen resultierten aus Versuchen mit verschiedenen Futtermitteln und zusätzlichem Kraftfutter, später konzentrierten sie sich auf pelletierte Alleinfuttermittel. Diese sollten nun die natürliche Nahrung der Kaninchen möglichst ohne große Verluste ersetzen. Die Richtwerte veränderten sich im Laufe der Zeit, bis sich eine relativ einheitliche Empfehlung für Pellets herauskristallisierte, die schließlich für jedes Futter übernommen wurde und bis heute gültig ist. Die Empfehlungen für die Menge an Grundstoffen in pelletierten Alleinfuttermitteln, die für die intensive Kaninchenhaltung/-mast postuliert wurden, haben sich mittlerweile für jede Art der Fütterung von Kaninchen etabliert. Ursprüngliche Daten für die Ernährung von Kaninchen resultierten aus Versuchen mit verschiedenen Futtermitteln und zusätzlichem Kraftfutter, später konzentrierten sie sich auf pelletierte Alleinfuttermittel. Diese sollten nun die natürliche Nahrung der Kaninchen möglichst ohne große Verluste ersetzen. Die Richtwerte veränderten sich im Laufe der Zeit, bis sich eine relativ einheitliche Empfehlung für Pellets herauskristallisierte, die schließlich für jedes Futter übernommen wurde und bis heute gültig ist. Die Empfehlungen für die Menge an Grundstoffen in pelletierten Alleinfuttermitteln, die für die intensive Kaninchenhaltung/-mast postuliert wurden, haben sich mittlerweile für jede Art der Fütterung von Kaninchen etabliert.
fuetterung/geschichte.1759873073.txt.gz · Zuletzt geändert: von kathrin

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