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praevalenz

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Inhaltsverzeichnis

Prävalenz

Definition

Die Prävalenz ist ein epidemiologisches Maß, welches die Anzahl bzw. Häufigkeit eines Ereignisses wie z. B. einer Erkrankung in einer bestimmten Population zu einem Zeitpunkt (Punkt-Prävalenz) oder in einem bestimmten Zeitraum angibt1)2).

Berechnung der Prävalenz, in % = Anzahl der Erkrankten / Anzahl der Stichprobe * 100

Beispiel für die Prävalenz der Ohrerkrankungen von Heimkaninchen in einer Studie von O'Neill et al., 20243) mit einer Grundgesamtheit von 162.107 Heimkaninchen:

  • Anzahl der zufälligen Stichprobe: 3.933
  • Anzahl der Diagnosen „Otitis“ in der zufälligen Stichprobe: 42

Berechnung der Prävalenz der Otitis (ext./media) = 42 / 3.933 * 100 = 1,1%

Eine Querschnittsstudie mit einer zufälligen und ausreichend großer Stichprobe ist die einzige Form einer Studie, die echte Prävalenzen liefern kann.4)

Prävalenzen

In der folgenden Tabelle sind die Prävalenzen der Erkrankungen bzw. Diagnosen von Heimkaninchen aufgeführt. Diese stammen aus Querschnittsstudien aus jeweils nur einer Klinik (Rheker, 20015); Langenecker, 20096)); 3 Kliniken (Kirschbaum, 19947)) oder aus mehreren Kliniken (O'Neill et al., 20208) (107 Kliniken) und O'Neill et al., 20249) (1.224 Kliniken)).

Ausgewählt wurden die Studien, weil:

  1. die Anzahl der Tiere (Stichprobe) sehr groß war,
  2. die Auswahl der Tiere zufällig erfolgte, und
  3. alle Daten der Tiere erfasst wurden, die in der jeweiligen Klinik vorgestellt wurden, das heißt auch von Tieren, die z. B. wegen Kastration, Impfung oder zur Routinekontrolle vorgestellt wurden.

Die Repräsentativität dieser Auswertungen ist durch den Fakt eingeschränkt, dass sie nur Tiere einbeziehen, die an Kliniken vorgestellt wurden. Die Aussagekraft der Studien von Kirschbaum, 1994, Rheker, 2001 und Langenecker, 2009 sind zusätzlich eingeschränkt, weil die Daten nur an jeweils 1 Klinik erhoben wurden.

In England wurde 2024 die Zahl von Heimkaninchen (Pet rabbits) auf 800.000 geschätzt10). Legt man die gleiche Berechnungsgrundlage für Deutschland zugrunde (2% der erwachsenen Bevölkerung hält Kaninchen), ergäbe sich eine geschätzte Gesamtzahl von Heimkaninchen von ca. 1.000.000.

Tabelle: Häufigste Vorstellungsgründe bzw. Diagnosen von Heimkaninchen, in %

DiagnoseKirschbaum, 199411)
n = 284
Rheker, 200112)
n = 3.356
Langenecker et al., 200913)
n = 2.125
O'Neill et al, 202014)
n = 2.506
O'Neill et al., 202415)
n = 3.933
Hauterkrankungen 11,4 0,6 20,2 16,3
Gebiss-/Zahnerkrankungen 17,7 16,4 14,0 14,9 18,23
Abszesse 3,0 8,7 8,0 1,9 1,6
Augenerkrankungen 10,2 1,2 7,0 7,3 9,2
Magen-/Darmtrakt 7,5 4,7 9,5 11,1
Frakturen 7,4 5,0 0,2 0,5
Trauma 4,2 8,0 4,0 5,9
Dyspnoe 1,9 3,7 0,3
Pneumonie 1,4 0,1 0,2
Tumore 2,1 2,4 5,0 0,6 0,3
Enzephalitozoonose 1,0 5,0* 1,6 1,6
Otitis 0,7 0,1 1,0 1,1

* Verdacht auf Grund der klinischen Manifestation und/oder eines positiven serologischen Nachweises mittels indirekter Immunfluoreszenz (IFAT) sowie dem Ausschluss von Differenzialdiagnosen wie Otitis media oder Ohrmilbenbefall

Prävalenzzeiträume der Studien:
Kirschbaum, 1994: 1 Jahr
Rheker, 2001: 10 Jahre
Langenecker, 2009: 9 Jahre
O'Neill et al, 2020: 1 Jahr
O'Neill et al., 2024: 1 Jahr

Für weitere Daten verschiedener Prävalenzen von Krankheiten bei Heimkaninchen aus Studien siehe Prävalenzen. Einige sind mit den Daten der vorstehenden Studien aus methodischen Gründen allerdings nicht vergleichbar.

4 2 1064

1)
Conraths, F. J; Gethmann, J.; Schulz, J.; Amler, S.; Fröhlich, A.; Ziller, M.; Denzin, N. 2020. Epidemiologische Untersuchungen in Tierpopulationen. Ein Leitfaden zur Bestimmung von Stichprobenumfängen. 3., überarbeitete Auflage. Friedrich-Loeffler-Institut, Greifswald-Insel Riems. Online, Abruf am 11.02.2026 von https://www.openagrar.de/servlets/MCRFileNodeServlet/openagrar_derivate_00033966/Stichprobenuntersuchungen_20201119_final.pdf
2)
Weiß, C. 2019. Medizinische Statistik. Springer. ISBN 978-3-662-56587-2
3) , 8) , 9) , 15)
O'Neill, D. G., Williams, A., Brodbelt, D. C., Church, D. B., Hedley, J. 2024. Conformation-associated health in pet rabbits in the UK: A VetCompass cohort study. Vet Rec. 2024;e4396. https://doi.org/10.1002/vetr.4396
4)
Cockcroft, P. D., Holmes, M. A. Handbook of evidence-based veterinary medicine. Blackwell Publishing Ltd. ISBN 978-1-4051-0890-4
5) , 12)
Rheker I. 2001. Untersuchung zur Bedeutung der Heimtiere in der tierärztlichen Fortbildung in Bezug zur Entwicklung des Heimtieranteils am Gesamtaufkommen der Patienten der Klinik für kleine Haustiere, der Klinik für Zier und Wildvögel sowie der Klinik für Fischkrankheiten der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Diss med vet, Tierärztliche Hochschule Hannover
6) , 13)
Langenecker, M.; Clauss, M.; Hässig, M.; Hatt, J. M. 2009. Vergleichende Untersuchung zur Krankheitsverteilung bei Kaninchen, Meerscheinchen, Ratten und Frettchen. Tierärztliche Praxis. Ausgabe K, Kleintiere, 37(5):326-333
7) , 11)
Kirschbaum, P. (1994). Erhebungen zur Art und Indikation tierärztlicher Maßnahmen bei kleinen Heimtieren. Diss. Tierarztliche Hochschule Hannover
10)
PAW, 2024. People's Dispensary for Sick Animals (PDSA) Animal Wellbeing Report 2024. https://www.pdsa.org.uk/media/14944/pdsa_paw-report-2024.pdf
14)
O'Neill, D. G., Craven, H. C., Brodbelt, D. C., Church, D. B., & Hedley, J. 2020. Morbidity and mortality of domestic rabbits (Oryctolagus cuniculus) under primary veterinary care in England. Veterinary Record, 186(14), 451-451. https://doi.org/10.1136/vr.105592
praevalenz.1775069545.txt.gz · Zuletzt geändert: von andreas

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