Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


sinne:riechen

Dies ist eine alte Version des Dokuments!


Riechen

Kaninchen zählen zu den „Makrosmaten“ (von griech.: makro = groß, osmē = Geruch). In verschiedenen Zusammenhängen werden sie auch als „Nasentiere“ bezeichnet. So werden Säugetiere genannt, deren primärer Sinn der Geruchssinn ist und die ihre Umwelt hauptsächlich über die Nase wahrnehmen. Kaninchen nutzen die Nase zur Nahrungssuche, Kommunikation, Orientierung und Gefahrenerkennung. Andere Sinne wie z. B. das Sehen sind bei diesen Tieren schlechter ausgeprägt.

Kaninchen besitzen nach Kaetzke, et al., 2003 etwa 100 Millionen Riechzellen in den beiden Nasenmuscheln, dies entspricht ca. 120.000 Riechzellen pro cm2 Riechschleimhaut. Der Mensch verfügt über ca. 10-30 Millionen Riechsinneszellen; ein Hund über ca. 250 Millionen Riechzellen und ein Aal über fast 1 Milliarde. Die meisten Zellen des Riechhirns sind bereits bei der Geburt voll entwickelt.

Wenn sie gerade zur Welt gekommen sind, werden Kaninchen von einem besonderen Botenstoff zu den Zitzen ihrer Mutter gelockt – dem Pheromon 2MB2. Obwohl sie noch so gut wie taub und blind sind, finden sie in der kurzen Zeit, in der die Häsin zum Säugen an das Nest kommt, die Zitzen im Fell und trinken sich satt. Das Pheromon, welches ihnen dabei hilft, ist nur bei einer Art wirksam (artspezifisch). Nach Schaal, et al., 2003 wurde bei Ratten und Mäusen keine Wirksamkeit des Pheromons des Kaninchens festgestellt.

Über die Duftdrüsen in der Anal- und Leistenregion (Anal- und Inguinaldrüsen) werden Duftstoffe mit Signalcharakter abgegeben. Sie dienen der Territorialmarkierung, der gegenseitigen Erkennung sowie der Beeinflussung der sexuellen Attraktivität – ihre Sekrete werden auf dem Erdboden beim Sitzen und mit dem Kot hinterlassen.

Weiterhin verfügt das Kaninchen über Drüsen am Kinn, die sich mit beginnender Geschlechtsreife herausbilden. Ranghöhere Männchen entwickeln größere Kinndrüsen als rangniedrigere und zwar unabhängig von Alter und Körpergewicht (Leicht, 1979). Außerdem verfügt das Kaninchen an der Nasenspitze über eine rudimentäre Drüse, die Hardersche Drüse (Tränendrüse), sowie Drüsen in Unter-/Oberlippe und der Innenseite der Backen.

Zur Prüfung von Duftstoffen in der Luft „blinzeln“ Kaninchen mit der Nase, indem sie die Falten der Nasenlöcher mit einer Frequenz von 1,5-4/Sekunde rhythmisch anheben und senken (Kraft, 1976). Aufgrund ihrer Fähigkeit, eine große Zahl und auch Mischungen von Gerüchen zu unterscheiden, sind Kaninchen in der Lage, Artgenossen und Artfremde zu unterscheiden.

Der Geruchssinn dient auch der Nahrungsselektion. Niehaus, 1968 demonstrierte dies, indem er Kaninchen ein Futter mit verdorbenen Komponenten anbot. Die Tiere verschmähten die schlechten Bestandteile.

Wenn Jungtiere den Bau verlassen, bleiben sie zunächst in der Nähe des Eingangs. Mit der Zeit nehmen die Entfernungen zu, aber in bestimmten Abständen wird der Eingang zum Bau immer wieder aufgesucht. Später werden auch neue Wege getestet und die Erreichbarkeit des Baus durch Sprints getestet.

In erster Linie prägen sich Kaninchen ihre Fluchtwege durch geruchliche (olfaktorische) Markierungen ein. Entlang der Wege werden markante Punkte wie Erhebungen, Steine und auch Pflanzen mit den Kinndrüsen markiert. Diese bilden gewissermaßen Gassen, welche durch Geruchsmarken erkannt werden. Kaninchen auf der Flucht werden immer die ver-trauten Wege nutzen. Veränderungen im Revier werden sofort registriert und immer vorsichtig erkundet.

sinne/riechen.1774032316.txt.gz · Zuletzt geändert: von andreas

Donate Powered by PHP Valid HTML5 Valid CSS Driven by DokuWiki