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Inhaltsverzeichnis
Abszesse
Kieferabszesse
Kieferabszesse entstehen häufig infolge erworbener Zahnfehler (odontogen = vom Zahn ausgehend).1)2) Aber auch eindringende Fremdkörper oder unsachgemäßes Zahnkürzen (bei Zahnfehlern) können eine Rolle bei ihrer Entstehung spielen.
Von den Zähnen oder Zahnfächern ausgehende Abszesse können zur Entwicklung einer schweren Entzündung des Kieferknochens (Osteomyelitis) führen.
Relevante Mikroorganismen
Ewringmann, 20173) ermittelte Keime bei Kaninchen, die an eitrigen Zahnerkrankungen beteiligt waren sowiedie wirkungsvollsten, eingesetzten Antibiotika: „Von 126 Kaninchen mit Kieferabszessen oder eitrigen periapikalen Entzündungen wurden während der chirurgischen Versorgung Tupferproben entnommen und einer bakteriologischen Untersuchung inklusive Antibiogramm zugeführt. Ergebnisse: Es ließ sich ein breites Keimspektrum aus dem aeroben und anaeroben Bereich nachweisen. Unter den Anaerobiern überwogen gramnegative Stäbchen (Prevotella sp., Fusobacterium sp., Bacteroides sp.) und grampositive nichtsporenbildende Kokken (vor allem Peptostreptococcus sp.). Bei den Aerobiern wurden 66,7% gramnegative (vor allem Pasteurella sp., Escherichia coli, Pseudomonas sp.) und 33,3% grampositive Keime (vor allem Streptococcus sp., Staphylococcus sp.) nachgewiesen. Bezogen auf die einzelnen Patienten waren Fluorchinolone in Kombination mit Amoxicillin/Clavulansäure, Chloramphenicol, Amoxicillin/Clavulansäure, Tetrazykline, Pradofloxacin und Kombinationen aus Fluorchinolonen und Metronidazol am häufigsten wirksam.“
Flenghi et al., 20234) setzten sich zum Ziel, die kultivierbare Bakterienflora in der Mundhöhle gesunder Heimkaninchen zu bewerten. Insgesamt 33 Kaninchen erfüllten die Einschlusskriterien (kleine Rasse, Einzelhaltung, Innenhaltung, 2 Monate bis 3 Jahre alt), die Störfaktoren reduzieren und damit eine möglichst homogene Stichprobe sicherstellen sollten. Als Rassen waren vertreten: Farbenzwerge (n = 20), Zwergwidder („Holland Lop“, n = 11) und Löwenkopfkaninchen (n = 2). Alle Kaninchen waren gesund und wurden mit ad libitum Heu, rationiertem Alleinfutter (Pellets) sowie verschiedenen Grünpflanzen und Früchten ernährt, was die Autoren als angemessen erachteten.
Es konnten 220 Isolate von 35 verschiedenen Bakteriengattungen kultiviert und davon 212 identifiziert werden. Die am häufigsten isolierten Bakterien waren Streptococcus sp. (42/212; 19.8%), Rothia sp. (38/212; 17.9%), Enterobacter sp.(15/212; 7%), Staphylococcus sp. (14/212; 6.6%) und Actinomyces sp.(12/212; 5.7%); bei weiblichen Kaninchen herrschten Neisseria sp. (5,9%) gegenüber Actinomyces sp. (3%) vor. Im Durchschnitt wurden pro Kaninchen 6,4 Bakterienarten bestimmt.
Zu den bisher am häufigsten aus Kieferabszessen bei Kaninchen isolierten, kultivierten und potentiell pathogenen Bakterienarten gehören Streptococcus spp.5)6)7)8)9), Staphylococcus spp.10)11)12), Fusobacterium spp. (insbesondere F. nucleatum)13)14)15), Pseudomonas aeruginosa16)17), Pasteurella spp.18)19), Actinomyces spp.20)21), Prevotella heparinolytica22) oder auch Escherichia coli23)24).
Ein bislang selten aus Kieferabszessen bei Kaninchen isolierter und identifizierter Erreger ist Trueperella pyogenes (fakultativ anaerob). Kizerwetter-Świda et al., 202525) wiesen auf Diskrepanzen in früheren Methoden zur Probengewinnung und mikrobiellen Kulturbedingungen hin. Sie empfahlen die Etablierung einer standardisierten Vorgehensweise, um auch schwer kultivierbare Mikroorganismen (wie T. pyogenes) zuverlässig nachweisen und Ergebnisse besser vergleichen zu können.
Fäkale Mikroorganismen wie E. coli können im Zusammenhang mit der Caecotrophie eine mögliche Kontamination darstellen.
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