Inhaltsverzeichnis
Verwilderung
(Feralisation, Dedomestikation)
Gering et al., 2019 unterschieden zwischen
- Endoferalität – Entkommen von einzelnen Individuen einer Haustier-Population in lokale Lebensräume, in denen sie überleben und sich fortpflanzen können (Dabei sei „De-Domestikation“ das Resultat einer absichtlichen Freisetzung.)
und
- Exoferalität – Feralität, die einen genetischen Austausch zwischen unterschiedlichen Populationen einbezieht (Hybridisierung).2)
Molekulare Mechanismen
(siehe auch Genetik, Populationsgenetik, Glossar)
Das Europäische Kaninchen eignet sich besonders gut als Modell zur Untersuchung der Feralisation:3)
- Wildkaninchen, Hauskaninchen und verwilderte Hauskaninchen existieren nebeneinander und können direkt miteinander verglichen werden;
- einfache Probennahmen (Bejagung);
- kurze Generationszeit;
- weltweite Verbreitung; für verwilderte Populationen liegen häufig sogar Informationen über deren Abstammung vor;
- Die meisten Wildtyp-Allele sind, mit veränderten Frequenzen, bei Hauskaninchen erhalten geblieben, nur wenige Allele sind fixiert (Carneiro et al., 20144); Signaturen der Domestikation); d.h. bei nachlassendem oder wegfallendem Selektionsdruck besteht die Möglichkeit einer erneuten Anpassung.
Genetische Introgression
Die Hybridisierung von verwilderten und wilden Tieren stellt ein Risiko für das Überleben natürlicher Populationen dar, da sie deren genetische Vielfalt verringern und fehlangepasste Allele in den Genpool einbringen kann („Introgression“, von lat. introgredior, „hineingehen, betreten“) – mit der Folge einer reduzierten Fitness.5)6)
Aber auch eine Introgression neutraler oder vorteilhafter Allele, mit entsprechender Auswirkung auf die Fitness der Hybriden, ist möglich.
Die biologische Invasion in Australien nach dem Import von englischen Wildkaninchen im Jahr 1859 ist ein Beispiel für eine asymmetrische Introgression7) aus einer einheimischen in eine invasive Population.8)
